Dienstag , 17. Oktober 2017
Home / Aktuell / Natur pur im Westen des fünften Kontinents

Natur pur im Westen des fünften Kontinents

Perth und Umgebung

Irgendwie hat jeder schon einmal etwas von Westaustralien gehört, aber die meisten, seien wir ehrlich, denken beim Stichwort Australien doch eher an das Great Berrier Reef, das Opernhaus in Sydney oder an den berühmten Ayers Rock. Western Australia (WA) – das ist der größte Bundesstaat Australiens, der den gesamten Westen und weite Teile des Zentrums von Australien abdeckt. Bei rund 2,5 Millionen Quadratkilometern, dies entspricht rund siebenmal der Fläche Deutschlands bzw. über ein Drittel des Fünften Kontinents, mit nur ca. zwei Millionen Einwohnern, ist deshalb überwiegend vor allem nur eines zu erwarten: eine atemberaubende Natur pur. Der Entdecker, der Holländer Dirk Hartog ankerte bereits mit seinem Schiff „Eendracht“ 1619 in der Shark Bay. Seine Berichte vom „wüstenhaften Land“ fanden jedoch damals in der Heimat noch nicht die gewünschte Resonanz. Heute ist es gerade diese menschleere Weite, die uns Mitteleuropäer u.a. so fasziniert. Tausende Kilometer herrliche, weiße Karibik-Sandstrände, türkisblaues, klares Wasser, ein glitzernder Ozean und beeindruckende wilde Küstenlandschaften. Wälder mit alten Baumriesen, grünes Weideland und riesige Wüstengebiete: Western Australien bietet jedem Urlauber etwas – ganz besonders aber denen, die der Natur verbunden sind und das sanfte, kalkulierbare Abenteuer suchen. Eine Reise nach WA beginnt z.B. mit einem Flug von Deutschland über Honkong nach Perth, einer kosmopolitischen, multi-kulturellen 1,8 Millionenstadt, mit der typischen Hochhaus-Skyline einer Großstadt. mit charmanten Cafés, leicht zugänglichen Stränden, großartigen Shopping-Möglichkeiten und einer lebendigen Abendunterhaltung. Ihre Bewohner sind weltoffen, freundlich und führen einen entspannten Lebensstil. Dies spiegelt den Eindruck einer besonders familiären, lockeren, lässigen, entspannten Atmosphäre und Lebenseinstellung wieder.

Die Innenstadt bzw. das Zentrum der westlichsten Großstadt Australiens ist gut zu Fuß zu erobern: Die gepflegte Gartenanlage Surpreme Court Gardens, die Town Hall, der kolossale Steinbau
Parliament House, das hübsche Landhaus The Deanery oder die informative Münzprägestelle The Mint liegen nicht weit auseinander und sind ein „Muss“. Allerdings sollte man sich in der Ausdehnung der Stadt nicht verschätzen, denn Perth ist mit einer Gesamtfläche von 5400 Quadratkilometern sechsmal so groß wie Berlin. Perth verfügt über unzählige Parks rund um die Stadt, u.a. der Kings Park, die grüne Lunge und der Botanische Garten der Stadt. Hier drückt sich die sprichwörtliche Lebensqualität der Australier in ihrer ganzen Vielfalt aus. Touristen, Radler, Jogger, alte und junge Menschen treffen sich hier, um den famosen Blick auf die Stadt und die Sonne zu genießen. Und davon hat Perth reichlich: Mit durchschnittlich neun Stunden Sonnenschein am Tag mehr als jede andere Großstadt Australiens.

Wie gut und komfortabel es sich in Perth und Umgebung leben lässt, zeigt eindrucksvoll eine Rundfahrt auf dem Swan River, ein weiteres Highlight. Fährt man per Schiff auf dem River wird schnell eines deutlich: an Platz mangelt es hier nicht. An den Ufern links und rechts sind weitläufige Parklandschaften angelegt, großzügige Wochenendhäuser oder prachtvolle Villen mit Ihren Bootsanlegestellen und beindruckenden Bougainvillea-Bäumen bzw. –Sträuchern. Als attraktives Weinbaugebiet am Swan River gilt das Städtchen Guildford mit seinen vielen kleinen oder größeren „wineries“, und genießt unter Weinkennern einen ausgezeichneten Ruf. Seit dem früheren 19. Jahrhundert werden hier Reben gezüchtet. Zu den erzeugten Weinsorten zählen hier im Besonderen der Chardonnay, Semillon, Riesling, Verdelho und die Rotweine Shiraz, Cabernet Sauvignons und Merlot, die sich mit jedem anderen Weinanbaugebiet auf dieser Welt messen lassen können. Fremantle, der Hafen der Stadt Perth hat einen eigenen Charakter, unglaublich viel Charme mit seinen historisch, sehenswerten Baudenkmäler aus der viktorianischen Zeit, wie das Freemantle Esplanade Hotel oder das älteste erhaltende Gebäude aus dem Jahr 1831: Round House, dessen Grundriss nicht rund sondern zwölfeckig ist und in früheren Zeiten als Gefängnis diente.

Von Perth in den Norden

Keine Illusionen sollten sich Selbstfahrer über die Entfernungen machen: Sie sind in Westaustralien teilweise extrem. Zwischen vielen Sehenswürdigkeiten ist einfach „nichts“, es muss also gefahren werden, hier sagt man auch „Strecke machen!“! So verlässt man Perth in Richtung Norden am besten auf dem Highway Nr. 1. Aufgrund seiner gebogenen Form wird er auch als „Western Boomerang Highway“ bezeichnet. Das kleine Dorf Cervantes ist Ausgangspunkt für einen Besuch des Nambung National Park. ca. 200 km von Perth entfernt. Hunderte verwitterte, bis zu vier Meter hohe Kalksteinsäulen, die sogenannten „Pinnacles“, liegen hier über ein großes 170 qkm großes Gebiet weit verstreut. Heute ist nachgewiesen, dass diese surreal anmutende Landschaft vor ca. 20000 Jahren entstand als sich während einer Eiszeit die Ozeane zurückzogen und mit Kalk versetzter Meeresboden der Erosion durch Wind und Wetter beeinflusst wurde, so dass weichere Sandschichten weggespült und nur noch der härtere Kalkstein übrig blieb. Zusammen mit dem hellen Wüstensand ergeben sich besonders in den frühen Morgen- oder Abendstunden reizvolle Farbenspiele, die das Herz manches Fotografen höher schlagen lässt. Das Gelände kann per Fahrzeug auf einer 5 km langen unbefestigten Einbahnstraße oder auch zu Fuß erkundet werden. Knapp 180 Kilometer nördlich, ein Abstecher lohnt sich dabei nach Geraldton, die selbsternannte „Hummer Hauptstadt der Welt“, dann das nächste Highlight, der Kalbarri National Park. Dort hat der Murchison River, eines der ältesten Flusssysteme des Kontinents, eine tiefe Schlucht in das dicke Sandsteinplateau gegraben. Nach Regenfällen oder Wirbelstürmen kann das Wasser bis zu sieben Meter ansteigen und es ergießt sich eine schmutzig braune Flut weit sichtbar in den Indischen Ozean. Zahlreiche Aussichtspunkte im Park bieten einen phantastischen bzw. atemberaubenden Ausblick auf den Fluss und die vielfältigen, bizarren Gesteinsformen. Leicht zugängig sind die Aussichtspunkte am Hak`s Head und Ross Graham, die wilden Schluchten „The Loop“ und „Z-Bend“ mit dem Auto nur über einer 30 km staubigen Piste zu erreichen. Der Ort Kalbarri- mit mildem und warmem Klima bzw. einem karibischen Flair und Ambiente ist eine ruhige Feriensiedlung mit einer Vielzahl guter Übernachtungsmöglichkeiten.

Weit hinter der ehemaligen Minenstadt Northhampton folgt ein Abzweig am Overlander Roadhouse zur Peron Halbinsel und in den Shark Bay National Park. Ebenfalls ein „Muss“ ist Hamilton Pool, ein urzeitliche Sensation: Weltweit bekannt, weil Kolonien von im Salzwasser blubbernde Algenmikroben, die sogenannten Stromatolithen, hier in dieser Lagune massige Klumpen bilden, die wie Riesenpilze aussehen und als älteste Lebenswesen der Welt gelten. Auf dem Weg nach Monkey Mia ist für jeden Reisenden ein Besuch des Shell Beach Pflicht. Schon nach wenigen Metern eröffnet sich der Blick auf den langen schneeweißen und nur aus Kalkschalen bestehenden Strand. Die winzigen Muscheln sind teilweise bis zu 4m tief aufgeschichtet. Man erreicht Monkey Mia, einer der wenigen Strände der Erde, die von freilebenden Delfinen regelmäßig besucht werden. Der Ort hat sich zweifellos zu einer Touristenattraktion entwickelt, was nicht nur an den Delfinen, sondern auch am warmen Klima und den vielfältigen Ausflugsmöglichkeiten im Shark Bay Nationalpark liegt. Entlang der Westküste ist Monkey Mia einer der wenigen Orte, wo eine Vorabreservierung der Unterkunft ganzjährig sehr empfehlenswert ist! Insbesondere in den australischen Sommermonaten kommt es aufgrund der Popularität des Ortes zu teilweise echten Engpässen.

Von Perth in das Landesinnere nach Südosten bzw entlang der Südwestküste

Wer Perth und die Küste am Indischen Ozean verlässt, sollte sich über York nach Hyden ins Landesinnere begeben. Das schmucke Städtchen York ist nach Perth und seinem Hafen die älteste Binnenstadt in Westaustralien (1831). York selbst ist darüber hinaus auch das Zentrum der Landwirtschaft des Umlands. Die Hauptstraße mit seinen einladenden Restaurant und Straßen-Cafés erinnert an englische Ortschaften, das Castle Hotel z.B. gehört zu den ältesten Gasthäusern in Westaustralien, ebenso Settler`s House, einst Druckerei, heute Hotel mit einem eleganten Restaurant und dazugehöriger Terrasse. Ein Abstecher in das Oldtimer- Museum, das sich zu den bedeutesten in ganz Australien mitzählt möchte, sollte einen Besuch abrunden An York schließt sich der sogenannte Wheatbelt in Australien. Anders ausgedrückt, ab hier gibt es riesige Weizen- und Getreidefelder, die sich teilweise über mehrere Quadratkilometer erstrecken und neben der Straße durch gigantische Siloanlagen für das Getreide sichtbar werden. Das Kleinstädtchen Hyden am Wave Rock.

Man traut seinen Augen nicht: 4 km östlich der winzigen Ortschaft und fern jeglicher Küstenlandschaft erhebt sich der Wave Rock, eine 15m hohe und 100m lange versteinerte Welle aus Granitstein. Geformt wurde er durch Wasser- und Gesteinserosion, die denUntergrund freilegte und einen Überhang entstehen ließ. Vom Wave Rock geht ein etwa 20 Minuten langer Fußweg zu einer imposanten Felsformation um den Felsen, eine kleine Felsenhöhle aus der Aborigine-Geschichte. Diese “Hippos Yawn” genannte Formation ähnelt stark einem geöffneten Nilpferdmaul. Das Städtchen Esperance liegt für manche Westaustralien Touren vielleicht etwas abseits, aber der Weg dorthin lohnt sich allemal, die weichen, weißen Strände an der Küste zählen zu den schönsten der Welt Auf gut 40 km Länge führt hier der Great Ocean Drive an vielen malerischen und einsamen Buchten und Ständen vorbei. Die Rundtrecke beginnt von einem 300°-Panoramablick umgebenden Aussichtspunkt aus, mit einem herrlichen Blick auf die Inseln der Bay of Ilses in der Esperance Bay. Eine der bekanntesten Buchten des Great Ocean Drive ist die Twilight Bay. Hier bietet sich ein einzigartiges Farbenspektrum des Wassers von Helltürkis bis Dunkelviolett. Diese phantastische Kulisse lädt ein zum ungezwungenen Baden, Tauchen oder Surfen. Man fährt weiter zu anderen einsamen, schneeweißen Stränden, wie z.B. zur Observation Bay. Der manchmal pinkfarbene Salzsee Pink Lake beendet den Drive. Wie beim Salzsee Port Gregory in der Nähe von Geraldton, bildet sich im Pink Lake natürliches Beta Carotin.

Einer der schönsten Nationalparks im südlichen Westaustralien ist der Cape LeGrand Nationalpark. Hier kann man z.B. den 330 m hohen Frenchmens Peak besteigen, mit einem herrlichen 360°C Panoramablick auf den Nationalpark und die Umgebung. Ein weiterer Höhepunkt ist die Lucky Bay im Nationalpark. Wer diese karibischen Wasserfarben, den schneeweißen endlosen Strand mit eigenen Augen gesehen hat, der muss zugeben, es gibt kaum einen schöneren Fleck auf dieser Erde, von dem man am liebsten gar nicht mehr weg möchte. Es ist dieser Farbton, der hypnotischt anzieht, bis man sich daran verschluckohne jemals genug bekommen zu können. Wer die Küste gen Westen weiterfährt, sollte ein Stopp in Bremer Bay (viele kleine versteckte Buchten) bzw. in Albany unternehmen, der Ort, der als erster von Europäern im 19.Jahrhundert besiedelt wurde. Hier sollte man sich ein Spaziergang durch die Stadt mit einer Reihe von historischen Bauwerken gönnen, wie z. B. das Patrick Taylor Cottage, das älteste noch erhaltenen Gebäude. Im nahegelegenen Tordirrup Nationalpark lohnt sich ein Abstecher hin zum feuchten und spritzigen Blowhole bzw. zum tief zerklüfteten 40 m tiefen „Gap“ oder zur mächtigen Felsbrücke „Natural Bridge“, die von der aufbäumenden, aggressiven Brandung in den Granit getrieben wurden.

Foto: Axel Erhardt
Foto: Axel Erhardt

Ebenso imposant im William Bay National Park mit seiner Vielfalt aus Wanderdünen, Karri Wäldern, Badebuchten und mächtigen Granitfelsen, sind die riesigen Elephant Rocks, die von oben wie eine gedrängte Elefantenherde aussieht. Der Walpole-Nornalup Nationalpark besticht -inmitten einer naturgeschützten Waldlandschaft- durch seine bis zu 80 m hohen Karribäumen, die bis zu 300 Jahre alt sind. Es sind die Bäume des Valley of he Giants, eine besondere Eukalyptusart, die mit ihren Wurzelausläufern bis zu 18 m Umfang erreichen können. Hier gibt es die seltenen Tingle- Eukalyptus Bäume, die an ihrer rötlichen (Red Tingle) oder gelblichen (Yellow Tingle) Rindenfärbung zu erkennen sind. Man besichtigt sie am besten über den 600m langen Tree Top Walk, der bis zu 40 m über der Erde reicht. Wer sich nicht sicher und schwindelfrei fühlt, sollte lieber am Boden bleiben und dem langen Ancient Empire Boardwalk folgen, ebenso beeindruckend wie der stählerne Tre Top Walk. Pemberton ist eine beschauliche Stadt zwischen Weinbergen, Weiden und Karribäumen eingebettet (Sehenswert: der Gloucester Tree im kleinen Gloucester National Park). Augusta ist Ausgangspunkt für die Besichtigung des südwestlichsten Zipfel des Kontinents, nämlich dem Cape Leeuwin an der „Cape to Cape Coast, wie die Küste zwischen Cape Leeuwin und Cape Naturaliste genannt wird Hier treffen die mächtigen Wassermassen des Southern Ocean und des Indian Ocean aufeinander, die teilweise die Felsen der Steilklippen zu bizarren Formationen geschliffen haben. Der historische Leuchtturm warnt seit dem 19. Jahrhundert mit seinen unermüdlichen Lichtsignalen die vorbeifahrende Schifffahrt. Nördlich von Augusta lohnt es sich auf der 100 km Caves Road weiterzufahren mit seinen über 300 unterirdischen Höhlen, Grotten und Gewölben. Lohnenswert ist die Jewel Cave, eine mit Stalaktiten und Stalagmiten ausgestrahlte Höhle. Das hübsche pittoreske Städtchen Margaret River ist das Zentrum einer der bedeuteten Weinregionen Australiens. Hier werden einige der besten Weine Australiens angebaut, was schon durch die vielen Weingüter mit teilweise herrschaftlichen schlossähnlichen Wohn-und Verwaltungsgebäuden sichtbar wird. Man kann in ca. 40 Weingütern Verköstigung vornehmen und dabei zusätzlich exzellent speisen. Surfer zieht es hier besonders auch an die zerklüftete Küste, wo es beispielsweise im Mündungsbereich des Margaret River oder in Yallingup durch die kräftigen Winde und aufschäumenden Brandungswellen richtig rund geht.

Von Margaret River in Richtung Norden zurück nach Perth

Wer sich von einer solchen Rundreise durch SWA für ein paar Tage dann noch ausruhen möchte, der ist direkt in der ruhigen, kilometerlangen Bunker`s Bay am Cape Naturalist, in der Nähe des gemütlichen Städtchen Dunsborough gut aufgehoben. Hier gibt es viele Möglichkeiten, zu übernachten oder sich selbst zu verpflegen bzw. ein paar geruhsame Tage an beschaulichen und einsamen Stränden oder Buchten zu verbringen. Cape Natural, die nördliche, von steilen Klippen umgebene Landspitze wird ebenfalls von einem Leuchtturm dominiert, allerdings ist dieser deutlich kleiner als sein großer Bruder am Cape Leeuwin. Nach ca. 4 Stunden Autofahrt erreicht man dann wieder über Busselton (die wichtigste Attraktion: der 2 km lange hölzerne Ladungssteg Busselton Jetty), Bunbury und Fremantle den Flughafen von Perth International und denkt mit einem weinenden Auge zurück an Westaustralien mit seiner vielseitigen Landschaft voller Naturschönheiten, grünen Wäldern, farbenprächtiger Wildblumenwiesen, fantastischen Stränden, lieblichen Ortschaften und vielfältigen Naturparks. All das, verbunden mit Stille, Einsamkeit und ohne Hektik, lassen eine Reise durch den Südwesten Australiens zu einem abwechslungsreichen und beeindruckenden Erlebnis werden, das man nicht so schnell vergessen wird….

Text: Axel Erhardt

Für einen bestmöglichen Service verwenden wir Cookies. Durch Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen