Donnerstag , 22. Juli 2021


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Romantisches Franken: Ansbach, Stadt der Rokokopracht

Selten findet man eine solche Verbindung von Stadt und Land: Auf unserer Reise in die wunderschöne Stadt Ansbach im Romantischen Franken und in verschiedene Ort- und Landschaften des Steigerwalds konnten wir erleben, wie vielfältig ein einzelner Urlaub sein kann. Kein Wunder, dass der Tourismusverband in Franken die Region in 16 verschiedene Urlaubsgebiete unterteilt – jedes bietet ein einzigartiges Erlebnis und für jeden ist etwas dabei.

Wir beginnen, frisch getestet, unsere Reise in Ansbach, einer Stadt mit etwas mehr als 40.000 Einwohnern im Romantischen Franken. Dieses Jahr werden 800 Jahre Ansbach gefeiert. Schon auf dem Weg in das Hotel sieht man an jeder Ecke die historische Prägung der Stadt. Über das Kopfsteinpflaster kommen wir in unser sehr charmantes Hotel, dem Hotel Bürger-Palais, das sich die Rokokopracht ebenfalls zu eigen gemacht hat. Von goldenen Wasserhähnen über Tapeten, die wohl auch Angelina Jolie besitzt – was besonders auffällt, ist neben der Herzlichkeit und Zuvorkommenheit der Hotel-Mitarbeiter die Liebe zum Detail. Es finden sich nicht nur ein riesiger Kamin und ein Kronleuchter im Zimmer: Sieht man zufällig unter den Schirm der Nachttischlampe, entdeckt man beispielsweise, dass die Lampen auf einer Art Kerzenständer sitzen. Und diese zahlreichen, liebevollen Details sind auch in der übrigen Innenstadt zu finden.

Kaum eine Stunde im Hotel angekommen, geht es aber auch schon weiter: Zum Mittagessen gehen wir bequem zu Fuß in die Orangerie im Hofgarten.

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Foto: ARKM
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Rokoko-Pracht im Hotel Bürger-Palais. Foto: ARKM
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Vor dem Hotel. Foto: ARKM

Die Orangerie: Anlaufstelle als Gastronomie und Tagungslocation

Was im 16. Jahrhundert als “Lust- und Pomeranzenhaus” gebaut und erst später zu einer barocken Orangerie wurde, ist heute aufgeteilt in Gastronomie und Tagungs- und Eventlocation. Die Vorbilder für dieses Gebäude sind ebenso bekannt wie imposant: Die Südfassade ist Schloss Versailles nachempfunden, die Nordseite mit ihren Kolonnaden dem Louvre.

Auf der Terrasse der Gastronomie haben wir einen wunderschönen Blick über den Hofgarten mitsamt gut gepflegten Springbrunnen, Wiesen, von Bäumen gesäumten Rundwegen und Blumenbeeten. Mit diesem Ausblick und unter einem Sonnenschirm sitzend, lassen sich fränkische und internationale Küche hervorragend genießen.

Sicherlich ließe sich auch gut das eine oder andere Bier trinken – seit diesem Jahr ist sie im Besitz der Blank GmbH, einem Familienunternehmen, das auch Hotel und Brauhaus DAS HÜRNER in Ansbach betreibt. Da uns später noch eine Bierprobe im Brauhaus erwartet, verzichten wir allerdings vorerst auf das Bier.

Die Tagungs- und Eventräume liegen direkt neben der Gastronomie und kombinieren eine historische Atmosphäre mit moderner Technik. Auch Hochzeiten können hier gefeiert werden. Leider haben wir nicht die Gelegenheit sie zu besichtigen, denn wir werden schon erwartet: Von der Markgräfin Friederike Luise.

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Blick auf die Orangerie. Foto: ARKM
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Von der Terrasse der Orangerie hat man einen herrlichen Blick in den Hofgarten. Foto: ARKM

Kostümführung zu den Lieblingsplätzen der Markgräfin Friederike Luise

Die preußische Prinzessin Friederike Luise wurde mit 15 Jahren im 18. Jahrhundert nach Ansbach verheiratet, wo sie Markgräfin wurde. Mit ihrem Ehemann Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, auch genannt “der wilde Markgraf”, führte sie eine eher unglückliche Ehe. Der “wilde Markgraf” erlangte seinen Spitznamen durch seine Leidenschaft für die Jagd mit Falken. Bei dieser Gelegenheit besuchte er sein Jagdschlösschen Georgental, wo er auch seine jahrelange Geliebte Elisabeth Wünsch, die Tochter des Falkners, mit den gemeinsamen vier Kindern unterbrachte.

In Begleitung der “Markgräfin Friederike Luise” in Kostümierung wurden wir durch Park und Stadt geführt. Verschiedene Denkmäler begegneten uns auf dem Weg, wie zum Beispiel an dem Ort, wo einst der “rätselhafte Findling” Kaspar Hauser ermordet wurde. Ein Rasen, der für das Cricket Spielen angelegt wurde, umsäumt von Lindenalleen, hunderte von Jahren alt.

Im Hofgarten finden auch alljährlich im Juli die Rokoko-Festspiele statt, wo man sich in die pompöse, elegante Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts versetzen kann. Bis zu 150 Personen in Kostümen zieren das Event, immer dabei Tanz, Feuerzauber und Musik.

Die Führung durch die Stadt führt uns zu zahlreichen versteckten Plätzen und Hinterhöfen, durch Laubengänge und zu einer unscheinbaren, kleinen Hütte, in der Trauungen vorgenommen werden können. Die versteckten Gärten und Hinterhöfe sollen auch im Rahmen des Ansbacher Kultursommers besonders zur Geltung kommen. Im Anschluss an die Führung haben wir ein wenig Zeit zur freien Verfügung, bevor es weitergeht: Zur Markgräflichen Residenz.

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Markgräfin Friederike Luise holt uns vor der Orangerie in Ansbach ab.
Foto: ARKM
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Im Hofgarten gibt es verschiedene Denkmäler zu entdecken.
Foto: ARKM
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Markgräfin Luise führt uns durch versteckte, kleine Parks und Gärten.
Foto: ARKM

Die Markgräfliche Residenz in Ansbach: Mit Prunk und Porzellan

Die Markgräfliche Residenz in Ansbach zeigt die volle Pracht des Rokoko, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man auch die Spuren vorheriger Epochen. Seit der Abdankung des letzten Markgrafen Christian Friedrich Carl Alexander von Brandenburg-Ansbach wurde nichts in der Einrichtung verändert, sodass sie der gesamte Charme der Zeit darin wiederfindet. In einem Teil des Gebäudes befinden sich allerdings auch Büros der Bezirksregierung.

Im Erdgeschoss befindet sich eine Ausstellung von Fayencen und Porzellan. In den oberen Räumen kommt der Rokoko zur Geltung. Große Säle, Empfangszimmer, ein Spiegelkabinett – und ein Zimmer mit drei ausgestopften Pferden. Ein Markgraf ließ seine Lieblingspferde nach ihrem Tod ausstopfen, an einem sieht man sogar noch die Einschusswunde einer Schlacht am Hals. Auch der Innenhof kann sich sehen lassen und ist nach dem warmen Wetter angenehm kühl.

Nachdem wir die Residenz wieder verlassen haben, werden wir noch ein wenig durch die Stadt geführt. Wieder gibt es viele kleine Details zu entdecken: zum Beispiel Häuser, deren Fassade nach vorn im barocken Stil gestaltet wurden, doch im Hinterhof erkennt man, dass es sich ursprünglich um Fachwerkbauten handelt. Natürlich besichtigen wir aber nicht nur die Hinterhöfe, sondern werden auch über den Karlsplatz geführt, bevor wir zum Abendessen aufbrechen.

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In der Markgräflichen Residenz: Rokoko-Pracht, wohin man auch sieht. Foto: ARKM
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Ein besonderer Raum: Das Spiegelkabinett. Foto: ARKM
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Die Markgräfliche Residenz in Ansbach.
Foto: ARKM
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Die Ausstellung im Erdgeschoss. Foto: ARKM

Essen und Bierprobe im Brauhaus Hürner

Ansbach liegt im sogenannten “Bierfranken”, wo man sich eher auf Bier statt auf Wein fokussiert. Den einen oder anderen hält das jedoch nicht davon ab, während des Essens im Brauhaus Hürner den sehr guten Wein zu trinken, bevor es mit der Bierprobe weitergeht. Der Inhaber Herr Blank leistet uns Gesellschaft und leitet auch die Bierprobe.

Insgesamt fünf Biere haben wir probiert und die Geschichte des Hürner Bieres gehört. Vor den beiden Hürner Bieren trinken wir ein Tucher Hefe Weizen, ein Pils und ein Lederer aus Nürnberg. Den krönenden Abschluss bilden dann das gefilterte und das ungefilterte Helle Hürner. Auch eine Auswahl an Whisky gibt es im Hürner, diese sind jedoch nicht selbst gebrannt.

Hürner selbst wurde 1806 gegründet und später von Tucher gekauft, das die Produktion des Hürner Bieres einstellte. Ein 90-jähriger Braumeister kannte die Rezeptur noch, sodass die Produktion wieder aufleben konnte. Seit 2019 gibt es das Hürner Brauhaus wieder. Das Hürner selbst ist ein modernes Gebäude. Seit diesem Jahr ist auch ein Hotel mit angeschlossen.

Nach der Bierprobe wandern wir noch ein wenig durch die idyllisch beleuchtete Stadt, vorbei an Personengruppen, die vor kleinen Bars Fußball sehen, bevor wir uns zurück in das Hotel Bürger-Palais begeben. Dort sitzen wir noch bei einem Glas Wein im gemütlichen Garten, bevor wir ins Bett gehen.

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Hürner-Bier und leckere Häppchen. Foto: ARKM
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Foto: ARKM
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Im Brauhaus Hürner. Foto: ARKM

St. Ludwig am Karlsplatz – mit einem unglaublichen Ausblick

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht genießen wir ein leckeres Frühstück mit angenehmer Bedienung im Garten des Hotels. Diejenigen unter uns, die noch keine Impfung haben, machen sich anschließend auf den Weg zu einer Apotheke, um sich testen lassen. Der fünfminütige Weg führt uns dabei über den kleinen Wochenmarkt mit dem üblichen Sortiment an Obst, Gemüse, Kleidung und Kleinigkeiten.

Anschließend geht es wieder auf den Karlsplatz, wo St. Ludwig auf uns wartet. Wieder ein Gebäude mit Geschichte, von den Gegebenheiten der Erbauung ab 1834 bis hin zu den 6 ½ Tonnen schweren Glocken, die aus türkischen Kanonen gegossen wurden. Bei einem Bombenangriff auf den Bahnhof im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt, jedoch nicht zerstört. Wir bekommen auch Gelegenheit, den Kirchturm zu besteigen, von wo man einen herrlichen Ausblick über Ansbach bekommt. Dann geht es weiter zu einem kurzen Besuch des Kaspar Hauser Museums.

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Eine Miniatur vor der Kirche St. Ludwig. Foto: ARKM
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Foto: ARKM
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Der Ausblick vom Kirchturm. Foto: ARKM

Kaspar Hauser – ein rätselhafter Findling

Die Geschichte des “rätselhaften Findlings” Kaspar Hauser fasziniert. Zwei Filme wurden über seine Geschichte gedreht, mehrere DNA-Proben genommen und verglichen – und dennoch bleibt seine Herkunft ungewiss. 1828 tauchte der verwahrloste junge Mann in Nürnberg auf, scheinbar aus dem nichts und kaum in der Lage zu sprechen. Seinen eigenen späteren Aussagen zufolge hatte er die ersten 16 Jahre seines Lebens in einem Keller eingesperrt verbracht. Dies erregte zu seiner Zeit ein großes Aufsehen, er wurde in die Obhut verschiedener Gelehrter und Fürsten gegeben.

Einige Jahre später wurde er im Hofgarten ermordet. Anschließend bildeten sich Gerüchte, er sei der eigentliche Thronfolger des Großherzogs von Baden, der im Alter von drei Wochen gestorben sein sollte. Seither wird darüber spekuliert. Mehrere DNA Proben wurden von unterschiedlichen Stellen der Kleidung entnommen, die er bei seiner Ermordung trug, und mit der DNA von Nachkommen der Baden-Dynastie verglichen. Die Ergebnisse sind nicht vollkommen eindeutig – eine Verwandtschaft kann weder ausgeschlossen noch bestätigt werden.

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Kaspar Hauser ist an zahlreichen Stellen in der Stadt zu finden. Foto: ARKM
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An dieser Stelle wurde der “rästelhafte Findling” ermordet. Foto: ARKM

Ansbacher Bratwurst – mit einem Reinheitsgebot, älter als das des bayrischen Bieres

Die Ansbacher Bratwurst ist grob und leicht pikant – ihr Reinheitsgebot lässt ausschließlich reines Schweinefleisch zu, dazu verschiedene Gewürze wie Majoran, Salz und Pfeffer. Eine beliebte Variante der Bratwurst in Ansbach ist das “Katzbrot”: Das Bratwurstgehäck wird dabei auf eine Scheibe Brot gestrichen.

Auch wir bekommen Katzbrot serviert, dazu leckeren Käse und Apfelsaft vom Hesselberg, der ausschließlich aus ungespritztem Streuobst hergestellt wird.

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Katzbrot – eine Ansbacher Spezialität. Foto: ARKM
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Ansbacher Bratwurst. Foto: ARKM

Die Markgrafengruft

Historische Veränderungen über die Jahre lassen sich hervorragend auch in der Markgrafengruft erkennen. 25 Zinnsärge, dazu einige aus Holz, ruhen zugelötet für die Ewigkeit aufbewahrt. Je nach Epoche des Markgrafen sind die Särge unterschiedlich gestaltet: von den schlichten Holzsärgen bis zu pompösen Zinnsärgen, überzogen mit goldenen Figuren. Auch ein paar kleine Särge sind dabei, jung gestorbene Familienmitglieder. Die Gruft macht einen leicht schaurigen Eindruck. Es ist kühl, die Luft scheint zu stehen, die Beschriftung auf den einzelnen Särge weist auf die Verstorbenen hin.

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Verschiedene Särge aus verschiedenen Epochen. Foto: ARKM
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Prunkvolle Zinnsärge. Foto: ARKM

Die Synagoge in Ansbach

Die Synagoge in Ansbach wurde 1776 erbaut. Die Reichspogromnacht überstand das Gebäude an sich unbeschadet – die Menschen hatten Sorge sie anzuzünden, weil das Feuer auf andere Häuser übergreifen könnte. Jedoch wurde sich geschändet und zweckentfremdet. Seit 1946 ist sie nun ein Museum.

Unsere Reise führt uns noch auf die Terrasse des Gasthauses “Zum Mohren”, anschließend verlassen wir Ansbach. Zunächst zu einer Kräuterführung im “Kräuter-Garten Martin Bauer” in Vestenbergsgreuth, anschließend nach Sulzheim, wo uns Hexentürme, Bierkeller, Bogenschießen und noch vieles mehr erwarten.

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Die Synagoge sieht von außen eher unscheinbar aus. Foto: ARKM
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Heute ist die Synagoge ein Museum, in dem man an die Reichspogromnacht erinnert. Foto: ARKM

Weitere Fotoimpressionen der Stadt

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Hübsche Innenhöfe gilt es zu entdecken. Foto: ARKM
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Nachts erstrahlt die Residenz. Foto: ARKM
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In Ansbach lässt sich auch Wein genießen. Foto: ARKM

Autorin: Amei Schüttler

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