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Sachsen -100 Jahre Bauhauskunst

Ein reiches Erbe der klassischen Moderne in der Architektur, der Kunst und der Musik machen ein Jahrtausend Kulturgeschichte von der Gotik, Renaissance, Barock, Jugendstil bis zum Neuen Bauen erlebbar. Sachsen hat, wie kaum ein anderes Bundesland, ein breites Architekturspektrum zu bieten. Es ist ein Land mit jahrhundertealten Traditionen, großer Geschichte und faszinierender Gegenwart. Wer kennt nicht die weltbekannten Bauten wie Dresdner Frauenkirche, Zwinger, Semperoper, Leipziger Gewandhaus, elegante Dorfkirchen im Erzgebirge und prachtvolle sächsische Burgen und Schlösser? Auf die vielfältige Kulturlandschaft wirkte auch das Bauhaus nachhaltig. Das findet man nicht nur in Berlin, Dessau oder Weimar, sondern es gibt in ganz Deutschland herausragende Orte des Bauhauses und der Moderne. Die Grand Tour der Moderne verbindet bedeutende Gebäude, die zwischen 1900 und 2000 errichtet wurden, zu einem Streifzug durch 100 Jahre Baukunstgeschichte.

Die abwechslungsreiche Architekturlandschaft der Moderne lässt sich im Freistaat aber auch abseits der Bauhaus-Tradition entdecken. Um in diese Nische einzudringen, trafen wir uns mit dem Kunsthistoriker Andreas Bednarek Ende Mai im Hotel „Vienna House Easy Leipzig“, um gemeinsam die Ikonen der klassischen Moderne zu besuchen. Unser erster Haltepunkt war der Rundling Leipzig.

Diese markante Wohnanlage wurde in den dreißiger Jahren von dem Architekten Hubert Ritter geschaffen. Die kreisförmig angelegte Wohnsiedlung im Stadtteil Lößnik besteht aus konzentrischen Kreisen (Nibelungenring, Siegfried Platz) um einen zentralen Grünraum. Der äußere Ring hatte etwa einen Durchmesser von 300 Metern.

Mit der ehemaligen Konsumzentrale in Leipzig Plagwitz schuf Hans Poelzig 1932 einen der eindrucksvollsten Bauten der Neuen Sachlichkeit.

In diesem Viertel gliedern langgezogene Fensterbänder die Fassade horizontal, eine effektvoll eingesetzte Klinkerverkleidung und die starke Farbigkeit der zentralen Treppenhausgestaltung demonstrieren eindrucksvoll die kraftvolle Ästhetik sachlicher Gestaltung.

Zum nächsten Haltepunkt schlugen wir die Richtung nach Leipzig-Gohlis ein. Dort wurde die Versöhnungskirche von 1930-1932 nach einem Entwurf des Architekten Hans Heinrich Grotjahn in Süd-Nordrichtung erbaut. Im Sinne der Bauhausarchitektur wurde die Kirche in einer Stahlbetonskelettbauweise mit Füllungen im Sockel aus Ziegel, im Oberbau aus Bimsbetonstein und im Turm aus Glasziegeln errichtet. Das Mauerwerk wurde verputzt und weiß gestrichen. Dem Bildhauer und Architekten M. Alf Brumme übertrug man die gesamte bildkünstlerische Ausgestaltung.

Von ihm stammen weiter die überlebensgroße Christusfigur über dem Altar sowie der Christus und die Altarleuchten der für kleine Feiern genutzten Seitenkapelle. Die Eingangsfront auf der Südseite wird von einem monumentalen Kreuzfenster beherrscht. Nach der Sanierung ist die originale Architektur des Gotteshauses in die „Straße der Moderne“ aufgenommen worden und von allen Seiten einsehbar. Vom 43 m hohen Turm bietet die Aussichtsplattform eine schöne Aussicht auf die Stadt und deren Umfeld.

Bevor wir nach dem Abendessen und einem Konzertbesuch im Gewandhaus die europäische Erstaufführung eines Konzertes für Violine und Orchester mit der lettischen Solistin „Baiba Skride“, dem Gewandhausorchester und des „Boston Symphony Orchestra“ erlebten, besuchten wir das Grassimuseum.

Der Direktor Dr. Olaf Thormann führte uns durch die große Sonderausstellung „Bauhaus Sachsen“, die den Sachsen- Kontakten der legendären Avandgardeschmiede nachspürt. In den Jahren 1925-1929 fand das Grassimuseum seine Fertigstellung. Die Eisenfachwerkkonstruktion im Stil der Neuen Sachlichkeit ist mit Ornamenten des Art deco geschmückt und erhält ihren besonderen Charakter durch den rötlichen Porphyrtuff, der aus dem rund 60 km entfernten Rochlitz stammt. Die 18 hohen Haupttreppenhausfenster des Bauhausmeisters Josef Albers stellen ein einzigartiges Kunstwerk der Moderne dar.

Die Fenster im „Thermometerstil“ sind raumabschließend und verbinden die einzelnen Geschossebenen. Sie wirken wie ein in Segmente gegliedertes, aber doch zusammengehöriges leuchtendes Bild, dessen „geordnete“ Schönheit der Betrachter immer wieder neu und anders erfährt. Von 2001-2005 konnte der Gebäudekomplex grundlegend saniert werden und strahlt im „neuen“ alten Glanz. Die Rekonstruktion der weithin sichtbaren „Goldenen Ananas“ – eine im Stil des Art deco aus gezackten Vasenformen zusammengesetzte Form – bekrönt die Hauptfassade des Museums und gibt ihr nach 60 Jahren wieder ihre historische Silhouette zurück.

Der ereignisreiche Tag fand schließlich nach dem Konzert beim Dessertempfang im Leo-Schwarz-Foyer des Gewandhauses seinen Abschluss.
Der nächste Tag führte uns zunächst nach Chemnitz in das Marianne Brandt Haus auf dem Kaßberg. Dr. Jörg Feldkamp, der Vorsitzende der Marianne Brandt Gesellschaft, erläuterte das Wirken und Werken der Chemnitzer Bauhaus-Designerin und ihre Verbindung zur Stadt. Die 1893 in Chemnitz geborene Marianne Brandt war Fotografin, Malerin, Bildhauerin, eine deutsche Designerin sowie Metallgestalterin. Sie bestimmte durch ihre Entwürfe wesentlich die Produktgestaltung des 20. Jahrhunderts.

Produkte nach ihren Entwürfen sind in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt. Zum großen Teil werden sie noch heute unverändert in Serie produziert. Marianne studierte in den zwanziger Jahren am Bauhaus in Weimar und Dessau. Berühmt wurde sie durch ihre Gestaltungsleistungen in der Metallwerkstatt am Bauhaus. Sie entwarf hauptsächlich Gebrauchsgeräte wie Tee-Extraktkännchen, Aschenbecher oder Tee- und Kaffeeservices. Großen Ruhm erlangte sie besonders durch ihre formschönen Lampen. Nach ihrem Studium arbeitete sie unter anderem im Bau-Atelier von Walter Gropius in Berlin, anschließend bis 1932 in den Ruppel – Werken in Thüringen, später als Malerin, Dozentin für Holz, Metall und Keramik in Dresden und widmete sich während der Fünfzigerjahre dem Kunsthandwerk. 1983 verstarb sie in Kirchberg bei Zwickau in einem Pflegeheim.

Seit 2000 befasst sich die Marianne Brandt Gesellschaft intensiv mit dem geistigen Erbe der Chemnitzerin. So unterhält sie im Elternhaus von Marianne Brandt öffentlich zugängliche Studienräume und kann sich mit dem Leben und Werk der Gestalterin vertraut machen oder informelle Veranstaltungen besuchen.

Mit der Gästeführerin Veronika Leonhardt führt die Stadtrundfahrt „Modernes Bauen“ an dem bekannten Gebäude „Schocken“, an dem berühmten 13 m hohen Karl-Marx-Monument, an der Deutschen Bank, dem Stadtbad, dem Hotel Chemnitzer Hof, dem Theaterplatz mit den Chemnitzer Kunstsammlungen, dem Museum Gunzenhauser und dem Sächsischen Industriemuseum vorbei, um später im SMAC (Archäologiemuseum), dem früheren Kaufhaus die Erkerausstellung mit dem Star-Architekten Mendelsohn zu sehen und im Bistro „Suppengrün“ eine kleine Stärkung zu nehmen.

In den Kunstsammlungen Chemnitz führt uns Dr. Antje Neumann-Golle, die Kuratorin der Textil- und Kunstgewerbesammlung erst durch die aktuelle Sonderausstellung „Bauhaus:Textil und Grafik 1919- 1939“. Den Kunstsammlungen ist es aufgrund der hervorragenden Bestände möglich, einen bemerkenswerten Blick auf das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ zu richten. Schwerpunkt dieser Ausstellung sind Textilien, die am Bauhaus in den Jahren 1919 bis 1933 in der Weberei entstanden.

Die Weberei war eine Domäne der Frauen und gehörte zu den erfolgreichsten Werkstätten des Bauhauses, sowohl in Weimar als auch in Dessau. Traditionelle und industrielle Techniken wurden hier erprobt und weiterentwickelt, aber auch neue Färbemethoden und Materialien angewendet. Gezeigt werden Textilien von Künstlerinnen wie Benita Koch-Otte, Marianne Brandt, Otti Berger und Gertrud Arndt. Den zweiten Schwerpunkt bilden Lyonell Feininger, Josef Schmidt, Max Pechstein und Kurt Schwitters.

Das ehemalige Kaufhaus „Schocken“ wurde 1930 nach den Plänen von Erich Mendelsohn als 9-geschossiger Stahlbetonskelettbau mit konvex gekrümmter Betonvorhangfassade errichtet. Horizontale Fensterbänder im Wechsel mit der Fassadenverkleidung wirken bei Tag und bei Nacht jeweils hell oder dunkel. Nach der großen Sanierung bis 2014 wurde die Fassade denkmalgerecht wiederhergestellt, der Grundriss ist durch eingezogene Wände erfahrbar und die Etagen der archäologischen Dauerausstellung sind nun durch drei Deckendurchbrüche miteinander verbunden. Das staatliche Museum für Archäologie Chemnitz „SMAC“ bedient drei eigenständige Ausstellungsbereiche, dem Architekten Erich Mendelsohn, dem Schocken-Kaufhauskonzern sowie dem Konzernmitbegründer Salman Schocken.

Nach dem kleinen Mittagsimbiss lenkte der Fahrer den Bus nach Dresden-Hellerau zur ersten Gartenstadt Deutschlands. Die Gartenstadt entstand ab 1906 auf Initiative des Möbelfabrikanten Karl Schmidt, dem Inhaber der Dresdener Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst. Erstmals wurden Werksanlagen, Wohnungsbau und Gemeinschaftseinrichtungen in einem Projekt kombiniert, für dessen Bauabschnitt Richard Riemerschmid verantwortlich zeichnete. Ein Spaziergang durch diesen Stadtteil mit seinen kleinen, von hübschen Vorgärten gesäumten Häuschen, öffnet heute den Blick für den zweckmäßig gestalteten Lebens- und Arbeitsraum dieser Zeit. Mit dem 1911 gebauten Festspielhaus im Geiste des Neoklassizismus entwickelte sich Hellerau außerdem zu einem Ort innovativer Tanz-und Theaterarbeit und zu einem wichtigen Zentrum der deutschen Reformkultur von internationaler Bedeutung.

Der Architekt Heinrich Tessenow setzte die Visionen des Bühnenbildners A. Appia und des Musikpädagogen E. Dalcroze in ein Raumgefüge um, dass richtungsweisend für die Moderne wurde. Der Saal mit versenkbarem Orchestergraben, frei installierbaren Bühnenelementen und Zuschauer-Sitzreihen enthielt keine festen Einbauten, weder Bühne noch Vorhang, in der Zuschauer und Darsteller zu einer geistigen und sinnlichen Einheit verschmelzen sollten. Ein besonderes Faszinosum war das von Alexander von Salzmann entwickelte Lichtkonzept. Decke und Wände waren mit weißen gewachsten Tuchbahnen ausgekleidet, hinter denen Tausende von Glühlampen ein diffuses Licht erzeugten.
Nach jahrzehntelanger militärischer Nutzung des Festspielareals wurde es nach dem Ende der DDR als europäisches Zentrum der Künste wiederbelebt.

Nach einer guten halben Stunde hielt unser Bus vor dem Albertinum in Dresden.

Die Sonderausstellung „Zukunftsräume – Kandinsky, Mondrian, Lissitzky und die abstrakt-konstruktive Avantgarde in Dresden 1919-1932“ war eingebettet in das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses. „Zukunftsräume“ meinte hier nicht nur abstrakt-konstruktive Raumkonzepte, sondern auch die „Gedankenräume“ der Avantgardisten.

Eine Stunde später betraten wir das Deutsche Hygienemuseum in Dresden. Seit 1930 steht es am Rand des Großen Gartens. Der imposante Bau, dessen Stil die klaren Linien des Bauhauses mit monumental-klassizistischen Elementen vereint, stammt von dem namhaften deutschen Architekten Wilhelm Kreis, erzählt uns Antje Kirsch, als sie uns die Vierflügelanlage in der Achse des Großen Gartens mit vorgezogenem Saalbau und einem Ehrenhof zeigt.

Nach der umfassenden Sanierung und Modernisierung zwischen 2002 und 2010 fügte der Architekt Peter Kulka moderne Elemente, vor allem im Erschließungsbereich hinzu und versetzte es weitestgehend in den Originalzustand zurück. So ist ein spannungsvoller, ästhetisch überzeugender Dialog des historischen Gebäudes der klassischen Moderne mit einer individuellen, zeitgenössischen Architektursprache entstanden.

Nach einem schmackhaften Abendessen und einer kurzen Übernachtung im Hotel Gewandhaus Dresden führte uns der folgende Tag in die Lausitz nach Weißwasser zum Glasmuseum, welches das einzige seiner Art in Sachsen und darüber hinaus in den ostdeutschen Bundesländern ist. Es befindet sich in der Villa Gelsdorf und Wilhelm Gelsdorf war der Erste, der seit 1877 dort erfolgreich eine Glashütte betrieben hat. Ausstellungsstücke großer Designer wie Professor Wagenfeld und Friedrich Bundtzen geben dem Glasmuseum seinen einzigartigen Stil, erläutert uns die Museumsmitarbeiterin Elvira Rauch.

Im Museum findet man neben den Spezialsammlungen von Wagenfeld und Bundtzen Lausitzer Glas des 19. und 20. Jahrhunderts, Glas für die Wissenschaft und Technik, Dokumente zur Geschichte von Weißwasser und Niederschlesien und historische Werkstätten und Werkzeuge zur Glasherstellung, Verarbeitung und Veredelung. Außerdem bietet es Ausstellungen zu Persönlichkeiten und Technologien der Glasindustrie an. Zu den kostbarsten Glasstücken zählt Diatretglas, ein glockenförmiges doppelwandiges Gefäß mit durchbrochenem Glas. In modernen Produktionsanlagen wird noch heute Glas in Weißwasser hergestellt. Weltweiten Absatz finden maschinell gefertigte Trinkglasserien und technische Gläser für die Industrie.

Bevor wir nach Niesky starteten, kamen wir am verlassenen und stillgelegten Neufert-Bau vorbei, ein gebautes Zentrallager und Versandzentrum der Vereinigten Lausitzer Glaswerke Weißwasser, ein Denkmal und ein früheres Logistikzentrum.

Neufert war einer der ersten Architekturstudenten am Bauhaus in Weimar und Mitte der 1920er Jahre Bauleiter von Bauhaus und Meisterhäusern in Dessau.

Am Nachmittag stand dann das Wachsmann-Haus in der Wachsmann-Siedlung in Niesky auf dem Programm. Dieses Haus wurde 1927 nach einem Entwurf des Architekten Konrad Wachsmann durch die bekannte Nieskyer Holzbaufirma „Chistoph & Unmack AG“ in nur wenigen Tagen errichtet. Zusammen mit Walter Gropius entwickelte der in die USA emigrierte Konrad Wachsmann ein Fertighaussystem in Blockholzbauweise, mit dem Wachsmann international bekannt wurde. Nach langen Jahren des Leerstandes erwarb die Stadt Niesky 2005 das bedeutende Baudenkmal, welches zwischen 2011 und 2014 saniert wurde.

Dabei kam die ursprüngliche intensive Farbigkeit der einzelnen Räume zum Vorschein. Die feierliche Eröffnung des Hauses fand im Oktober 2014 mit der Dauerausstellung „Holzbauten der Moderne und Entwicklung des industriellen Holzhausbaus“ statt. Das Konrad Wachsmann-Haus zeigt in den repräsentativen Räumen im Erdgeschoss, dem Herren-, Musik- und Speisezimmer, die Dauerausstellung mit den Themen 1. Ein Holzbau der Moderne, 2. Christoph & Unmack AG Niesky (Europas größter Holzhausproduzent), 3. Konrad Wachsmann Pionier, des industriellen Bauens und 4. der moderne Holzbau des frühen 20. Jahrhunderts und die aktuellen Entwicklungen bei einem Bestand von fast 100 Holzhäusern. Der Bekanntheitsgrad des Museums nimmt bei Groß und Klein ständig zu, weil die Besucher zum aktiven „Mitmachen“ animiert werden und man dort Veranstaltungen abhalten und sogar heiraten kann.

In Niesky finden wir seit 1986 im ältesten Haus die Touristinformation. Das war früher das Umgebindehaus des Leinewebers und ersten Ortsvorstehers Johann Raschke, diente bis 1981 als Wohnhaus, von 1788 bis 1860 als Poststation und seit 1991 arbeiten die Mitarbeiter des Tourismusamtes darin. Die Umgebindebauweise ist typisch für die Region, sie vereint den holzsparenden Fachwerkbau mit den Vorzügen der traditionellen Blockbauweise. Die Nieskyer St. Joseph Kirche wurde 1935 auch aus Holz gebaut und brauchte zur Einweihung nur 4 Monate, da teilweise Fertigteile verwendet werden konnten.

Sie hat eine Länge von 20 Metern und ist etwa 19 Meter breit. 300 Personen haben darin Platz und 2012 wurde das Gotteshaus saniert. Die in das Kircheninnere hervortretenden Binder sind schräg verschalt und die Wände und Decken werden durch die verleisteten Platten wohltuend und gefällig gegliedert. Die Christoph & Unmack AG sowie der Architekt Kurt Langer aus Breslau waren für den Bau verantwortlich und stolz auf ihr Produkt.

Die Villa „Schminke“ in Löbau, ein Glanzlicht der Moderne, stand als Highlight zum Abschluss unserer Reise auf dem Besichtigungsplan. Allerdings lohnte zuvor ein Abstecher nach Görlitz Rauschwalde zur Christuskirche am Diesterwegplatz. 1937 begann man mit dem Bau und auf Initiative des Gemeindepfarrers Kurt Graetz wurde der Entwurf des Berliner Architekten Otto Bartning realisiert, der von 1926-1930 Direktor der Bauhochschule in Weimar war. Ein weithin sichtbares Merkmal ist der schlanke Glockenturm der Kirche mit seinem Pyramidendach.

Während die Rückseite der Fassade fensterlos und mit mächtigen Strebepfeilern plastisch gegliedert ist, wirkt der lang gestreckte Bau zur Straße hin mit seinen durch Pultdächer gegliederten Fensterbändern offen und einladend. In dem hohen Innenraum ergibt sich ein wohlklingendes Farbenspiel zwischen den natürlichen Holztönen des Altars und der Bestuhlung, den hell getünchten Ziegelwänden sowie den dunklen Brauntönen des Fußbodens. Zwei Reliefs am Altar aus Mooreiche zeigen symbolhaft Anfang und Ende des Menschenlebens.

Die Villa Schminke von dem Architekten Hans Scharoun ist eines der weltweit vier herausragenden Beispiele der Stilrichtungen „Neues Bauen“ und „International Style“. Nach 26 Jahren wurde das Architekturgebäude der Moderne denkmalgerecht erfasst und 1978 unter Denkmalschutz gestellt, erklärt uns Claudia Muntschick von der Stiftung Haus Schminke. 1930 entwarf Hans Scharoun für den Löbauer Nudelfabrikanten Fritz Schminke dieses Unikat. Der gebogene Korpus mit Terrassen, Außentreppe und vielen runden Bullaugenfenstern weckt die Vorstellung zu einem Schiff. Im Wohnbereich gehen die Räume fließend ineinander über. Großzügige Glasflächen beziehen den Garten als erweiterten Wohnraum mit ein. Neben Weite und Transparenz prägen vielfältige Gestaltungselemente das Raumerlebnis. Durch Form und Farbe ist das Haus ein „Hingucker“. Die Küche mit ihren leicht zu reinigenden Oberflächen und platzsparenden Einbauschränken sowie der Schlafbereich sind im Gegensatz dazu recht spartanisch gehalten. Man kann den sprichwörtlichen „Nudeldampfer“ besichtigen, darin feiern und übernachten und natürlich auch Pasta essen. Unser krönender Abschluss war auch ein spezielles schmackhaftes Nudelessen, was von dem Gastronom Jörg Daubner von der Obermühle Görlitz zubereitet wurde und mit der Verkostung des hauseigenen Apfelbrandes endete.

Weitere Informationen bei:

Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH
Bautzner Straße 45/47
D-01099 Dresden
Tel.: 0351 / 49 17 00
Fax: 0351 / 49 69 306
info@sachsen-tour.de

Text: Peter Marquardt
Fotos: Matthias Dikert

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