Montag , 16. Oktober 2017
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Unbekanntes Baschkortostan – Ein Land zum Entdecken

„Sag mal, Du reist nach Baschkortostan – wo liegt denn das?“. Viele meiner Freunde und Bekannten stellten mir diese Frage. Ihnen geht es so wie den meisten Deutschen. Baschkortostan ist für sie ein unbekanntes Land. Ich hatte es mir auf der Karte angesehen. Es liegt weit im Osten, am Rande Europas, am und im Ural, grenzt an den sibirischen Teil Russlands. Diese Region wollte ich entdecken, gemeinsam mit einigen jungen, klugen und ebenso neugierigen Leuten wie mich.

Ufa, die Hauptstadt der Republik Baschkortostan, bekannt auch unter dem alten Namen Baschkirien, ist unser Anlaufpunkt. Eine Maschine von Turkish Airlines, der besten Fluggesellschaft Europas, steuert unser Ziel an.

Während des stundenlangen Fluges werden wir mit einem Menü aus kalten und warmen Speisen gut versorgt. An Bord ist auch ein Koch. In schmucker Zunftkleidung mit einer flachen, schief sitzenden Kochmütze erkundigt er sich bei den Passagieren, wie es ihnen schmeckt, erfüllt kleine Wünsche. Ein Anblick von Seltenheitswert. Wo gibt es eine solche persönliche Betreuung heute noch auf Flügen. Turkish Airlines leistet sich diesen Luxus zum Wohlbefinden ihrer Fluggäste.

Baschkortostan – ein Erlebnisbericht

Baschkortostan - Ein Erlebnisbericht
Fotos: Copyright Turkish Airlines

Die Turkish Airlines „ der Senkrechtstarter“ der Türkei begann vor 78 Jahren mit 5 Flugzeugen seinen Werdegang den sie heute nun mit gesamt 180 (Passagier –und Fracht)Flugzeugen und der gleichen Begeisterung und Zielstrebigkeit, wie am ersten Tage,  fortführt. Die Turkish Airlines, welche in ihrem 78. Geschäftsjahr im Besitz der jüngsten Flotte Europas ist, wird durch den Erwerb von neuen Flugzeugen in den kommenden zwei Jahren sowohl ihre Flotte verjüngen als auch ihre Service-Qualität steigern.

Turkish Airlines hat nicht nur im Wachstum und der Ertragskraft, sondern auch in ihrer Dienstleistungsqualität einen bedeutenden Schritt gemacht. Bei der „Skytrax“ Bewertung, welches als die „Oscar“ Auszeichnung der Luftfahrtbranche anerkannt wird, hat die Turkish Airlines sowohl im Jahre 2009 als auch im Jahre 2010 große Erfolge  erworben. Die im Jahre 2009 mit „die beste Fluggesellschaft“  Südeuropas ausgezeichnete Turkish Airlines, hat im darauffolgenden Jahr 2010  seinen Erfolg fortgeführt.

Als die beste Fluggesellschaft Südeuropas hat die Turkish Airlines den Erfolg „die 3. beste Fluggesellschaft“ Europas zu sein errungen. Die von der Turkish Do&Do , eine Gemeinschaftsorganisation der Turk?sh Airlines und Do&Do Catering Gesellschaft, den Fluggästen der Economic Class der Turkish Airlines an Bord angebotenen Speisen und Getränke wurden als weltweit bestes Speise und Getränke Angebot ausgezeichnet.

Ufa – Hauptstadt und Herz des Landes

Wir landen problemlos in Ufa. Die Einreiseformalitäten nehmen einige Zeit in Anspruch. Dann bringt uns ein Kleinbus bei strahlendem Sonnenschein in die Millionenmetropole. Wir checken ein im Sanatorium „Green Grove“. Die verschiedenen Klinikgebäude sind eingebettet in einen schönen, weiträumigen Park.

Fotos: Matthias Dikert

Eine festlich gedeckte Tafel ist für uns zum Frühstück liebevoll vorbereitet mit vielen lokalen Köstlichkeiten. Wir stoßen an mit Champagner und dem „Nationalgetränk“ Wodka. Ein vielversprechender Auftakt unserer Reise durch das unbekannte Baschkortostan.

Im Gespräch erfahren wir mehr über das Sanatorium. Vor allem Patienten mit Herz-Kreislauf und neurologischen Erkrankungen kommen hier zur Rehabilitation. Neben der umfangreichen medizinischen Betreuung ist auch ein großer Spa-Bereich in das Behandlungsprogramm eingeschlossen.

Wir brechen auf zur Stadtbesichtigung. Lästige Mückenschwärme umhüllen uns. Wir können uns ihrer kaum erwehren. Unsere Betreuer aber haben vorgesorgt. Die Autan-Spraydose kreist in unserer Runde, verschafft uns ein wenig Ruhe vor diesen kleinen Plagegeistern.

Ufa wurde 1574 als Festung an der südöstlichen Grenze von Russland gegründet. Heute zeigt sich uns die Hauptstadt als moderne Metropole. Sie ist politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der weitgehend unabhängigen Teilrepublik Russlands. Hier herrscht kein quirliges Treiben. Auf den breiten, sauberen Straßen fließt nur wenig Verkehr. Da wird Autofahren zum Vergnügen.

Im Antlitz der Metropole von Baschkortostan dominieren vor allem wenig schmuckvolle Bauten aus sowjetischen Zeiten. Dennoch gibt es viele Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Zahlreiche schöne, weiträumige, sehr gepflegte Parkanlagen laden zu erholsamen Spaziergängen ein. Neben einzelnen historischen Gebäuden sind vor allem die vielen Kirchen und Moscheen architektonisch sehr interessant.

Das alte Turkvolk der Baschkiren war schon immer geprägt von verschiedenen Glaubensrichtungen. Die meisten sind sunnitische Muslime. Daneben gibt es russisch-orthodoxe und evangelische Christen. Seit Jahrhunderten leben alle friedlich zusammen!

Fotos: Matthias Dikert

Sehenswert im Stadtbild sind auch eine Reihe monumentaler Denkmale. Sie stehen an markanten, schön gestalteten Plätzen, sind wichtige Zeugnisse der baschkirischen Geschichte. Das Freundschaftsdenkmal „Druschba“ erinnert an die Zeit im 16. Jahrhundert, als die baschkirischen Stämme Schutz suchend sich freiwillig dem russischen Zarenreich anschlossen. Es wurde zum 400. Jahrestag der Vereinigung errichtet und soll die ewige Freundschaft zwischen beiden Völkern unterstreichen.
Hier begegnen wir einer Schülergruppe in festlicher Kleidung. Die Jungen tragen auf dem weißen Oberhemd eine rote Schärpe, die Mädchen auf dem dunklen Kleid eine weiße, kleine Schürze. Wir hören, sie feiern heute ihren Schulabschluss.
Wir machen Halt im Park „Pobedy“, dem Park des Sieges. Hier findet gerade ein kleines Volksfest statt. Es herrscht eine fröhliche, ausgelassene Stimmung. Eine Band spielt von der Bühne moderne Rhythmen. Viele Stände bieten Nascherei und Herzhaftes. Die Menschen zeigen sich vielfach in ihrer traditionellen Kleidung. Russen, Tataren, Baschkiren sind die größten Volksgruppen in Baschkortostan.

Ein riesiger Glaspalast im eigenwilligen, modernen Stil fesselt unseren Blick. Es ist das Kongresszentrum für Messen und Veranstaltungen aller Art. Am Ende einer breiten Allee, die von blühenden Rabatten gesäumt ist, erhebt sich ein überdimensionales Reiterstandbild, das dem Nationalheld „Salawat Julajew“ gewidmet ist. Er kämpfte im 18. Jahrhundert an der Seite des Don-Kosaken Pugatschow gegen die Willkür der Zarenherrschaft und für die Freiheit des baschkirischen Volkes. Die Reiterstatue ist auch im Staatswappen des Landes verewigt. Sie steht auf den hohen Felsklippen am Ufer des „Belaja“ – dem weißen Fluss und bietet einen sagenhaften Blick auf den breiten Strom und die weite bewaldete Landschaft.
Wir besuchen das National-Museum. Die reichen Traditionen des Landes und das Leben der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten werden hier sehr anschaulich lebendig gehalten.

Fotos: Matthias Dikert

Da sind Szenen aus der bäuerlichen Hauswirtschaft mit alten Gerätschaften eindrucksvoll nachgestellt. Da gibt es in den Vitrinen viele Figuren mit den unterschiedlichen Trachten der verschiedenen Bevölkerungsschichten. Da geben ausgestopfte Tiere in Lebensgröße vor einer gemalten Naturlandschaft Einblick in den Wildreichtum des Landes. Ein sehenswertes Museum.

Wir eilen weiter zum Staatstheater für Oper und Ballett. „Spartakus“ steht an diesem Abend auf dem Programm.

Fotos: Matthias Dikert

Das Ballettensemble präsentiert sich in Bestform. Die glanzvolle Aufführung reißt das Publikum und uns zu Beifallsstürmen hin. Ein herrliches Erlebnis.

Zum Abschluss des Abends kehren wir ein im Restaurant „Ogonëk“. Es gehört zu den besten Lokalitäten der Stadt. Gedämpftes Licht, offenes Grillfeuer verbreiten eine intime Atmosphäre.

Fotos: Matthias Dikert

Der Tisch ist übervoll gedeckt mit wunderschön angerichteten kalten Platten, verschiedenen Salaten, frischem Gemüse und Obst. Eine Augenweide. Vom offenen Feuer werden Fleisch, Fisch und Geflügel serviert. Ein Gaumenschmaus vom Feinsten. Dazu köstlicher Wein und Wodka lassen diesen Abend zum Genuss werden.

Aufbruch in den Südural

Am nächsten Tag verlassen wir Ufa. Es geht in den Südural. Drei Stunden Fahrt liegen vor uns. Am Rande der Hauptstadt entdecken wir eine große Siedlung alter russischer Holzhäuser in ihren vielen bunten Farben. Sie sind sehr gepflegt, zeigen, dass diese alten Traditionen auch in Ufa bewahrt und gelebt werden.

Die Landschaft ist flach. Waldgürtel, Wiesen und Ackerflächen bestimmen das Bild. Ab und zu erblicken wir kleine Bauerndörfer mit den alten Holzhäusern. Nach zwei Stunden erreichen wir die Vorläufer des Uralgebirges, eine grün bewachsene, hügelige Berglandschaft. Die Straßen werden immer schlechter, holpriger. Es gibt streckenweise nur staubige Sandstraßen, die uns durchschütteln und das Atmen erschweren.

Endlich erreichen wir unser Ziel – das Sanatorium „Assy“. Es liegt in einem weiträumigen Tal, mitten in der Natur. Eine Insel für die Gesundheit, weit fernab der Städte. Seine Lage in dieser Abgeschiedenheit haben die zahlreichen Mineral- und Thermalquellen bestimmt, die überall aus der Erde sprudeln. Entstanden ist ein großer Komplex aus verschiedenen schönen, stattlichen Bauten und Freizeitanlagen für Minigolf, Basketball, Volleyball und Tennis.

Beim Rundgang durch das Sanatorium erfahren wir – es wurde im Jahr 2001 eröffnet. Behandelt werden vor allem Erkrankungen des Nerven- und Knochensystems, sowie des Verdauungstraktes. Moderne medizinische Technik steht den Ärzten zur Verfügung. Da gibt es für die 300 Kurpatienten Thermal-, Schlamm- und Solebäder. Sie können aus zehn verschiedenen Mineralquellen täglich das heilende Wasser trinken.

Fotos: Matthias Dikert

Ich habe es selbst probiert. Manche sind fast ohne Geschmack, andere sehr salzig, die verdünnt werden müssen. Doch die Patienten drängen sich um die sprudelnden Hähne. Was macht man nicht alles für seine Gesundheit. 50 Euro für Vollpension und Behandlung kostet der Aufenthalt täglich in der Qualität eines 4-Sterne-Hauses. Die Kurgäste kommen aus ganz Russland, einige auch aus Westeuropa nach Baschkortostan.

Gastfreundschaft auf Baschkirisch

Bis zum Abendessen haben wir noch Zeit. Uns lockt ein kleines verschlafenes Dorf am Rande des Sanatoriums. Die unbefestigte „Hauptstraße“ ist feucht und matschig. High-Heels haben hier keine Chance. An beiden Seiten des Weges reihen sich die Holzhäuschen in grün, blau, gelb, rot und braun dicht aneinander. Alle Tiere scheinen Ausgang zu haben. Kühe, Schafe, Ziegen suchen am Straßenrand nach jedem Halm, beäugen uns nur gelangweilt. Kleine Kinder necken sich auf abgelegten Baumstämmen.

Fotos: Matthias Dikert

Ein altes Tataren-Ehepaar sitzt vor ihrem Haus auf einer altersschwachen Holzbank. Es lächelt uns an. Sie wollen wissen, wo wir herkommen. Die Verständigung ist schwierig. Ich radebreche in Russisch – „Wir sind deutsche Touristen“. Sie drücken uns fest die Hände, sagen „Meine Freunde, Doswidanya – Auf Wiedersehen“. Wir spüren ihre Herzlichkeit und Wärme. Die Zeit ist hier stehengeblieben, so kommt es uns vor. Doch die Menschen, denen wir begegnen, scheinen mit dem Wenigen, was sie haben, zufrieden zu sein.

Eine junge Frau kommt uns entgegen. Sie trägt zwei Eimer Wasser an einem Tragebügel über der Schulter von der einzigen Wasserstelle auf dem kleinen Dorfplatz. Sie trägt ein schon etwas abgewetztes T-Shirt einer bekannten westlichen Marke. Am Ohr hält sie ein Handy. Sichtbare Zeichen für uns, das die moderne Welt auch an diesem kleinen baschkirischen Dorf nicht spurlos vorbei gegangen ist.

Auf dem Rückweg schauen wir einer Frau zu, die in ihrem kleinen Garten werkelt. Sie winkt uns freundlich zu, einzutreten. Voller Stolz zeigt sie uns ihr kleines Anwesen. Dann pflückt sie rasch ein paar Gartenkräuter zusammen, reicht uns mit lächelndem Gesicht den Strauß. Wir sind gerührt, können nur „Spassiba – Danke“ sagen. Gastfreundschaft auf Baschkirisch. Wir haben sie erlebt an jedem Tag unserer Reise. Die natürliche entgegenkommende Herzlichkeit der Menschen, lassen manches Unvollkommene vergessen, machen das Land liebens- und besuchenswert.

Wir reisen weiter nach „Starosubhangulovo“ – einer kleinen Stadt am Belaja. Das gemütliche Hotel und Restaurant „Gulbars“ ist hier für drei Tage unser Zuhause. Artur, der Chef des Hauses und seine Familie empfangen uns sehr herzlich.

Fotos: Matthias Dikert

Stolz zeigt er uns sein Haus mit Bankettsaal, Konferenzraum, Billardzimmer, Sauna und Kinderspielplatz. Dann beziehen wir unsere Zimmer. Sie sind recht schmal, verfügen aber über alles, was zu einem angenehmen Aufenthalt notwendig ist – Dusche, Kühlschrank, sogar eine Waschmaschine.

Baschkirische Küche – einfach, schmackhaft, reichlich

Am Abend wird groß getafelt. Der Tisch ist reichlich gedeckt mit traditionellen baschkirischen Delikatessen, vieles für uns ungewohnt. Ich frage Artur nach den Besonderheiten der baschkirischen Küche. Er erzählt mir: „Sie ist geprägt vom alten nomadischen Leben der Baschkiren, die sich vor allem von der Vieh- und Milchwirtschaft ernährten. Es mussten lange haltbare Produkte sein, getrocknete Wurst, hauptsächlich Pferdewurst, Käse, Sauerrahm, getrocknete Früchte und Honig. Vor allem wurde damals viel Fleisch und Fisch in verschiedenen Varianten gegessen. Das darf auch heute auf keinem Tisch fehlen“. Es fehlte natürlich auch auf unserer Tafel nicht. Wir fragten uns nur, wie wir das alles schaffen sollen.

Artur spürte mein Interesse, Näheres über die aufgetafelten Speisen zu erfahren. Er zeigt auf eine Teigtasche in Dreieckform. „Das ist Etschpomak – sie ist mit Fleisch, Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt“, erläutert er mir.
„Sieh mal, dieses Fleischgericht heißt Bischbarmak“, setzt er fort. „Es besteht aus viel Fleisch, traditionell Lamm und wird meist mit Nudeln gegessen“. Auch das müsst ihr unbedingt probieren, sagt Artur und verweist auf einen klebrigen pyramidenförmigen Gebäckberg, der aus vielen kleinen Teigteilchen besteht. „Das ist Tschak-Tschak, eine Süßspeise. Der Teig aus Mehl, Eiern und Honig wird frittiert, in kleine Streifen geschnitten und mit reichlich Honigsirup übergossen. So entsteht dieser süße Berg“, erklärt er mir.

Dann erhebt er sich, wünscht uns einen erlebnisreichen Aufenthalt und „Guten Appetit“. Wir greifen zu, genießen die aufgefahrenen Spezialitäten. Alles schmeckt vorzüglich. Auf dem Tisch überragen mehrere Flaschen vom besten baschkirischen Wodka die Speisen. Wir stoßen an, wissen, dass es nicht der letzte Schluck an diesem Abend sein wird. Er schmeichelt unseren Gaumen. Essen auf baschkirisch – ein Genuss.

Fotos: Matthias Dikert

Dann hält Artur noch eine Überraschung für uns bereit. Baschkirische Künstler, Sänger und Musiker treten für uns auf. Sie bieten typische baschkirische Weisen auf traditionellen Instrumenten – der langen Hirtenflöte „Kurai“, dem Knopfakkordion „Bayan“ und der Bügelmaultrommel „Kubyz“. Die Stimmung ist prächtig, familiär. Wir spüren die natürliche Herzlichkeit der Gastgeber, fühlen uns wohl in diesem Haus. Ans Schlafengehen denkt keiner. Wir ziehen in den Billardraum mit zwei Wodkaflaschen in der Hand. Beim Spiel gibt es keine Gewinner und Verlierer – nur fröhliche Menschen hier in Baschkortostan.

Rafting-Tour im Schritttempo

Eine ausgedehnte Rafting-Tour auf dem Belaja-Fluss erwartet uns am nächsten Tag. Kein „Kater“ plagt uns. Der reichliche Alkoholgenuss ist wie verflogen. Drei Katamarane stehen für uns bereit. Artur hat alles organisiert. Das macht er nicht nur für uns, allen seinen Gästen, Touristen und Urlaubern bietet er nach ihren Wünschen ein breites Programm an Aktivitäten, Baschkirien näher zu erleben. Ausflüge in die Natur und in kleine Dörfer, Angeln, Fischen, Reiten, Jagen, Bootstouren und Rafting-Trips – alles gehört dazu.

Ich hatte anfangs Bedenken, ob ich mich einer turbulenten Rafting-Tour aussetze. Sie sind schnell zerstreut. Auf dem Belaja gibt es keine Stromschnellen, versichern mir die Bootsleute. Es ist nur eine ganz ruhige Fahrt flussabwärts. So nehme ich Platz auf den hölzernen Planken des Katamarans. Unsere jungen Leute haben sich voller Tatendrang schon mit einem Paddel „bewaffnet“. Das Wetter ist herrlich. Die Sonne strahlt. Langsam gleiten wir über das Wasser. Die Landschaft ist flach, nur leicht hügelig. Mischwald säumt die Ufer. Nahezu völlige Ruhe umgibt uns, nur die sanften Paddelschläge locken ein leichtes Plätschern hervor. Wir haben Muße, die schöne Natur zu beobachten, atmen die klare, frische Luft. Ein einsamer Angler winkt uns zu, eine Familie macht Picknick am Ufer. Ab und zu erhebt sich ein Vogel aus den Bäumen. Zeit zum Schauen und Relaxen. Wunderschön.

Fotos: Matthias Dikert

Nach zweieinhalb Stunden legen wir an. Wir steigen die kleine Böschung hinauf. Auf einer weiten Wiesenfläche ist ein Rastplatz eingerichtet mit einem überdachten langen Tisch und einer offenen Feuerstelle. Unsere Bootsmannschaft hat alles mitgebracht für ein rustikales Essen in freier Natur. Schnell ist das Feuer entfacht unter dem aufgehängten Eisenkessel. Das alles hat viel Romantik, viel Ursprünglichkeit.

Ein Angler zeigt uns stolz seinen Fang, schenkt uns den Fisch. Auch hier eine schöne Geste der Gastlichkeit.
Während die jungen Leute den Fisch ausnehmen und am Feuer grillen, wird das frisch gekochte Essen aufgetragen. Es gibt Nudelsuppe, Buchweizen mit Fleisch, Teller mit aufgeschnittenen Gurken und Tomaten, Konfekt und baschkirisches Gebäck. Würzig, schmackhaft, einfach. Es muss nicht immer Kaviar sein. Zum Schluss bekommt jeder von unserer Gruppe einen Happen vom gegrillten Fisch.

Dann ziehen wir mit unseren Katamaranen weiter, genau so ruhig und gemächlich wie vorher. Noch einmal halten wir auf unserer Rafting-Tour an. Wer Lust hat, kann im Fluss baden. Einige von uns springen ins Wasser. Doch das Vergnügen ist nur kurzzeitig. Die Kälte treibt sie schnell wieder heraus.

Nach fast sechs Stunden geht die Tour in einem kleinen Dorf zu Ende. Knapp 20 Kilometer haben wir zurückgelegt. Während die Crew die Katamarane zerlegt und auf ein Auto verstaut, fahren wir mit dem Bus wieder zu Artur zurück, zu seinem guten Essen und dem Wodka. Ein schöner, ein erlebnisreicher Tag.

Baschkortostan: Im Naturparadies „Shulgan Tash“

Nach gutem Frühstück geht es mitten in die Natur in die Region Burzyanski. Wir fahren durch eine bergige Landschaft, bedeckt mit Nadel- und Laubbäumen, zu dem streng geschützten Biosphärenreservat „Shulgan-Tash“ am Belaja Fluss. Es ist ein beliebtes touristisches Ausflugsziel mit Campingplatz, Gaststätte und Shops. Nur auf gekennzeichneten Pfaden darf man das Schutzgebiet betreten. Sonst bleiben die Wälder und Wiesen vom Menschen unberührt.

In einem kleinen Bienenmuseum erfahren wir, dass diese Region die Heimat eines ganz besonderen Bienenvolkes ist, der Wildbiene „Burzian“. Sie siedeln sich an in abgestorbenen, ausgehöhlten, etwa einen Meter langen Baumstämmen, die die Imker in den Bäumen angebracht haben. Der Waldhonig, den sie erzeugen, soll der beste und reinste weltweit sein. Ihm werden auch besondere Heilungskräfte nachgesagt. „Geerntet“ wird der goldene Schatz nur einmal im Jahr, im September.
Wir wandern weiter zu einer besonderen Sehenswürdigkeit im Reservat, der riesigen Kalksteinhöhle „Kapowa“. Sie ist ein weit verzweigtes Höhlensystem von drei Kilometer Länge und mehreren Etagen. Für Touristen sind nur 300 Meter zugänglich. Nur Höhlenforscher haben einen Freibrief, weiter einzudringen.

Fotos: Matthias Dikert

Der Shulgan, ein kleiner Fluss plätschert vor dem Höhleneingang, der in 30 Meter Höhe bogenförmig von einem Felsmassiv umspannt wird. Ausgerüstet mit einer Kopfleuchte betreten wir die große Halle der Höhle. Über dem feuchten Boden sind für die Touristen Holzstege und Leitern eingebaut. An den Felswänden gibt es farbige Zeichnungen von Mammuts, Pferden, Nashörnern und Bisons. Sie sind originalgetreue Nachbildungen, der von den Forschern entdeckten Höhlenbilder. Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass sie fast 15.000 Jahre alt sind. Es sind Zeugnisse, dass hier Menschen der Altsteinzeit wohnten und lebten. Für uns schwer vorstellbar.

Traumlandschaften zum Verlieben

Wir reisen weiter. Ein 70 Kilometer langer Bootstrip steht auf unserem Programm. Mit an Bord – eine Urlauberfamilie aus Russland. Wir sitzen bequem auf gepolsterten Bänken, kommen rasch vorwärts. Die Landschaft ist traumhaft schön. An den Ufern erheben sich mächtige bewaldete Berge, deren Felswände zum Wasser schroff abfallen. Die Sonnenstrahlen bringen den Fluss zum Glitzern. Die Stille der unberührten Natur wird nur durch das Tuckern des Bootsmotors gestört. Die Hektik der Welt ist vergessen. Jede Flussbiegung bietet neue Blicke auf diese malerische Landschaftskulisse.

Fotos: Matthias Dikert

Nach gut zwei Stunden steuern wir eine kleine Bucht an. Ein paar Holzhütten stehen am Ufer. Wir sind bei einer Bauernfamilie zu Gast, die uns schon am Bootssteg herzlich in Empfang nimmt. Auf dem offenen Holzfeuer brodelt im Kessel schon die Suppe. Frischer Fisch und Fleisch werden auf einem Grill zubereitet. Ein Samowar bringt das Teewasser zum Kochen. Hunde und Katzen streunen über das Grundstück. Alte bäuerliche Gerätschaften stehen überall herum. Eine Angel mit Kescher lehnt an einem Baum. Die Hausfrau hat sich in Schale geworfen, trägt eine schöne bunte baschkirische Tracht. Ihr Mann zeigt uns seine über 20 Bienenstöcke. Sie sind für ihn, wie für viele Baschkiren, eine wichtige Verdienstquelle. Wir sind dabei, wie er eine Wabe entnimmt, sie in Stücke schneidet und uns auf dem Tisch serviert. Ursprünglicher, natürlicher kann Essen nicht sein in einer ungewohnten schönen Atmosphäre in Baschkortostan.

Noch lange winkt uns die gastfreundliche Familie bei der Abfahrt zu. Dann tauchen wir wieder in das Idyll der Landschaft ein. An einer Felswand entdecken wir eine der vielen Kalksteinhöhlen der Gegend. Wir legen an. Einige steigen den steilen Abhang hoch, um sie zu erkunden. Es ist ein Stück Abenteuer , was wir erleben und in Erinnerung behalten.

An Bord wird es plötzlich lebhaft. Die russische Familie hat für die Fahrt vorgesorgt und Wodka mitgebracht. Die Flasche kreist in der Runde, wir sind einbezogen. So endet die erlebnisreiche Tour in feucht-fröhlicher Stimmung.

Auf hohem Ross durch geschützte Natur

Der nächste Tag führt uns in den Nationalpark „Baschkirischer Ural“. Er gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ein Reitausflug ist für uns vorbereitet. Die Pferde sind schon gesattelt. Ich überlasse unseren jungen Leuten das Vergnügen, ziehe es vor, im Auto die geschützte Natur, die Wälder und Wiesen mit einem großen Reichtum seltener Pflanzen zu erkunden. Hier wird sehr viel getan, um diesen Schatz für die Menschheit zu bewahren.

Fotos: Matthias Dikert

Auf einer kleinen Lichtung ist ein Aussichtspunkt eingerichtet. Er bietet einen fantastischen Panoramablick auf die Landschaft. Unter uns fließt gemächlich der „Uruk“. Dahinter schauen wir auf eine weite Ebene, in der ein malerisches Dorf eingekuschelt liegt. Der kurze, sehenswerte Abstecher hat bei uns einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Kurstadt „Krasnousolsk“

Wir sind auf dem Weg zur letzten Station unserer Baschkortostan Reise, besuchen das wohl beste und größte Heilbad des Landes – das Sanatorium und Spa-Hotel „Krasnousolsk“. Seit 1924 besteht das Heilzentrum schon. Es liegt in einer der schönsten Gegenden von Baschkortostan, ist eine kleine Kurstadt, ausgebreitet auf 100 Hektar Fläche. Jedes Jahr werden hier 20.000 Menschen behandelt mit Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, des Muskels-, Skeletts- und Nervensystems, mit Stoffwechselstörungen, Atem-, Harnwegs- und Hauterkrankungen.

Fotos: Matthias Dikert

Hier wird vor allem auf die Heilkräfte der Natur gesetzt. Das sind hauptsächlich die über 100 Mineralwasserquellen, mineralischer Schlamm, die reine Luft und das milde Klima. Ein großer Spa-Bereich ist in die medizinische Behandlung direkt einbezogen. Alle Einrichtungen entsprechen den internationalen Standards und sind modern ausgestattet. Die Zimmer sind komfortabel, das Essen ausgezeichnet. Wir konnten uns selbst davon überzeugen. Ein Aufenthalt in diesem Kurort am „Usolka-Fluss“ mit seinen attraktiven Bauten und weiträumigen Parkanlagen ist für jeden, der Heilung und Erholung sucht, sehr empfehlenswert.

Ich verlasse Baschkortostan mit einer Fülle wunderschöner Eindrücke und Erlebnisse. In den Tagen unserer Reise habe ich Baschkortostan schätzen und lieben gelernt. Mir sind die Menschen ans Herz gewachsen, die mit Gesten und Taten Wärme und Herzlichkeit ausstrahlen, die ihre Traditionen leidenschaftlich pflegen und stolz präsentieren.
Es ist vor allem auch die unverfälschte, sagenhafte Natur, die Baschkirien besuchenswert macht.

Sicher, eine moderne touristische Infrastruktur gibt es in Baschkortostan noch nicht. Vielleicht muss das auch gar nicht sein. Ich nehme eine staubige, holprige Straße gern in Kauf, um das echte, wahre Leben der Baschkiren besser zu verstehen.
Es ist ein Land, das besonders auf den Individualtourismus ausgerichtet ist. Allerdings sollte jeder seine Touren mit kompetenten einheimischen Reiseagenturen planen und organisieren. Der günstige Rubelkurs zum Euro macht eine Reise nach Baschkortostan leicht erschwinglich.

Ich wünsche diesem kleinen, großen Land viele Urlauber und Touristen, die die Schönheit der Natur und die gastfreundlichen Menschen entdecken wollen.

Weitere Informationen bei:

Federal Agency for Tourism (Russiatourism)
47 Myasnitskaya Street, Moscow, 101000, Russia

E – Mail: rustourism@ropnet.ru

Turkish Airlines

Köln Verwaltungsbüro

Am Hof 28, 50667 Köln

Telefonnummer:0049 69 86 799 849

Fax: 0049 221 272 48 301

E-Mail: cologne@thy.com

Text:

Manfred Vieweg

Fotos:

Matthias Dikert – Reisejournalist im Auftrag von Reiseratgeber24.de

Bilder Flug mit Turkish Airlines unterliegen dem Copyright von Turkish Airlines

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