Sonntag , 22. November 2020


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Bad Saarow – Aufbruch in die Zukunft

In Zeiten von Corona hat der „Urlaub vor der Haustüre“ stark zugelegt. Brandenburg ist bestens gerüstet: Wandern und Radfahren in der Einsamkeit der Natur, sehr viel Wasser für Hausboot, Motorboot und Kanu stehen auf der Habenseite. Während es im Deutschlandschnitt einen Einbruch von -22 % gab, überstand Brandenburg mit lediglich -8,5 % Übernachtungen das Jahr relativ souverän. Für 2021 könnte es bald knapp werden. Die Buchungsanfragen sind schon jetzt stark gestiegen und die touristischen Vorzeige-Zielgebiete könnten schnell an Kapazitätsengpässe kommen.

Natürlich gibt es Einschränkungen bei den kulturellen Angeboten, doch die kleinen Städte sind nicht überlaufen, was Entdeckungstouren zugute kommt. Allerdings sind die Standorte mit Freizeitbädern ein wenig heikel. Da wäre stellvertretend die Therme in Bad Saarow: 1998 als erstes Thermalbad in Brandenburg erbaut, ist traditionell der Herbst und Winter die umsatzträchtigste Zeit. Kalkuliert wird mit -30 Prozent bis 31.12.2020.

Therme in Bad Saarow: 1998 als erstes Thermalbad in Brandenburg erbaut

Über Einsparungen kann nur ein Teil aufgefangen werden, am Ende des Jahres wird ein Verlust zu Buche stehen, der finanziert werden will. Im Lockdown sind zudem Investitionen vorgezogen worden, um die Zeit des Leerlaufs sinnvoll zu nutzen. Der Besucher in der „trüben“ Jahreszeit wird sich einstellen müssen: An den Wochenenden ist das Bad traditionell stark frequentiert, vor allem aus Berlin. Eine Online-Anmeldung soll es nicht geben.

Aber wenn die limitierte Kapazität erreicht ist, darf niemand mehr rein. Eine frühe Anreise kann da sinnvoll sein. Die Geschäftsführung will versuchen, den Andrang dadurch zu entzerren, dass unter der Woche attraktive Angebote vom Wochenende weglocken. Jetzt sind ja Bäder erstmal wieder bis Ende November 2020 im Lockdown-Light geschlossen. Das Jahr wird so noch schwerer.

Bad Saarow ist einer permanenten Entwicklung unterworfen. Ausruhen auf der touristischen Beliebtheit und dem Titel „Bad“ gilt nicht. Da wäre zum Beispiel das Thema „Free WiFi“. Rund um den See ist ein freier Internet-Zugang schon an sechs Stellen möglich. Weitere sollen zügig dazukommen. Das Endziel lautet: Der See ist komplett mit kostenlosem WLAN versorgt.
Ein weiteres Planziel ist, die Seestraße komplett autofrei zu gestalten. Die Bauarbeiten sollen zügig beginnen und die Promenade umgestaltet werden. Ein weiteres Ziel ist die Vereisung des Rundweges im Winter, um Wintersporterlebnisse zu ermöglichen.

Die Betreiber des Freilich am See (Artprojekt Gruppe), planen ebenfalls eine Menge.

Am Westufer des Scharmützelsees, in Saarow Strand entstehen ab 2021 mit dem Stararchitekten David Chipperfield Eigentumswohnungen und es ist geplant, das traditionsreiche Strandbad Neptun‘s zu ertüchtigen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Masterplan für Saarow Strand sieht dort eine Marina und zwei Hotels vor, von denen das erste ebenfalls von David Chipperfield Architects geplant wird. Die Nachfrage in der Region ist groß und Bad Saarow beginnt als „Perle“ Brandenburgs jetzt wieder richtig zu glänzen.

Mittlerweile haben große Hotelketten den Ort auf dem Planungstisch, obwohl die normalerweise nie in solch kleinen Orten bauen wollen. Aber der BER wird eröffnet und der ist gerade einmal eine halbe Stunde entfernt – wenn nicht noch an den Verbindungen gebaut wird, um eine noch schnellere Anbindung schaffen zu können.

Das Mobilitätskonzeot ist in Planung und sieht Shuttle, E-Busse, vielleicht sogar selbstfahrende Transportmittel vor … viele Ideen sind in der Pipeline und müssen noch sortiert und besprochen werden. Konkret beantragt sind 25 Mio. Fördergelder für die Ausgestaltung von neun „Lieblingsplätzen“ rund um den See und die Kurparkpromenade.

Nach Berlin kommt als Einzugsmetropole Dresden und auch Polen wird wirtschaftlich immer stärker und rückt damit zunehmend in den Gästezahlen auf. Die Region rüstet auf. Nicht nur kostenloses WLAN, wie oben beschrieben, sondern auch ein „Seenland-Informationssystem“ ist gestartet worden. Das ist ein riesiges, smartphoneartiges Gerät, welches Tipps und Touren anbietet.

Per QR-Code kann man das auf dem Handy speichern. Die Idee dahinter ist, dass ein großer Bildschirm wesentlich besser die Informationen darstellen kann, als die kleinen persönlichen Geräte. Allerdings wird bisher nur zentral an den Vorschlägen gearbeitet. Wer eigenes Material hat, müsste per E-Mail gegebenenfallsTexte und Fotos senden, die dann erst einmal geprüft werden müssten. Qualität steht an erster Stelle. Vielleicht ändert sich das Prozedere mit Vorschlägen von der Basis eines Tages, denn auf speziellen Radfahrer- und Wanderseiten können schon heute individuelle Touren eingestellt werden.

Ein anderes Projekt ist fertig: Das Velotel ging noch vor dem Corona-Lockdown im November 2019 an den Start. Die Zahlen sind erfreulich, die fehlende Differenz dem Lockdown geschuldet. Es wendet sich vor allem an Radfahrer. Die Räder kommen per Fahrstuhl in einen „Fahrradkeller“ nach oben, damit Fremde nicht an die Räder kommen. Dazu sind die Fahrstühle radtauglich und so angeordnet, dass man von außen rankommt und nicht extra durch die Lobby muss. Es gibt außer der Fahrradabstellfläche auch Möglichkeiten für Reparaturen und für die, die ohne anreisen auch eine Vermietung. Die Hotelräume sind zur Kleinversorgung ausgelegt: Wasser- und Kaffeekocher sowie Geschirr – also „Kalte-Küche“-Standard. Eine „warme Küche“ gibt es in Suiten und Ferienwohnungen, die ebenfalls angeboten werden.

Im selben Haus ist noch ein Kino mit zwei Sälen samt (Eis-)Café untergebracht. Gerade das Kino hat dem Ort gefehlt und die umliegende Neubebauung mit Wohnungen und Geschäften hat in Bahnhofsnähe so etwas wie ein Ortszentrum entstehen lassen, welches vormals nicht wirklich zu finden war. Die Kolonnaden sind auf einer 25 Jahre alten Ruinenlandschaft entstanden. In den 90ern stand hier ein Supermarkt und eine Eisdiele. Schnell war es wieder aus und das Gelände verfiel.

Ein paar Kilometer in den Norden, genauer gesagt den Rauener Bergen, liegt eine Ganzjahres-Attraktion: Der Scharmützelbob. In die „Berge“ ist ein „Alpine Coaster“ verbaut worden, der vor allem Kinder und „Abenteuerlustige“ anlockt. Streckenweise erinnert der Bob an eine Achterbahn. Mit max. 45 km/h schießt man durch die Strecke. Rausspringen kann das Teil nicht. Wem das nicht geheuer ist, der kann im Gegensatz zu einer Achterbahn bremsen.

Gerade wenn die Bahn voll ist, ist Bremsen aber … nun ja, es verursacht Staus und stört den Spaß der anderen. An unübersichtlichen Stellen droht so Auffahrgefahr! Ganze zwei Mal wird man hochgeschleppt, um dann runtersausen zu können. Unter oder über einem kann man dann auch andere Bobs ihre Bahnen ziehen sehen. Streckenlänge rund ein Kilometer, Höhe 52 Meter. Angeschlossen ist noch ein Indoorspielplatz, der aber wegen Corona-Auflagen derzeit geschlossen ist sowie eine Outdoor-Murmelbahn.
Ach, halt! Doch keine 365 Tage im Jahr geöffnet, nur 364, denn am 1.1. ist immer der einzige Schließtag.

Weitere Informationen:

Tourist-Information 033 631 / 43 83 80 (Tel.)

Text:

Otger Jeske

Fotos:

Matthias Dikert

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