Home / Reisejournalisten Erlebnisberichte / Wundervolle Türkei – Konya, die Stadt mit langer Geschichte

Wundervolle Türkei – Konya, die Stadt mit langer Geschichte

Die Türkei kann viel mehr als Strand und blaues Wasser. Wir reisen nach Konya, der siebtgrößten Stadt der Türkei, circa 1.000 Meter über dem Meer am Fuße schlafender Vulkane mitten in Kleinasien (Anatolien) gelegen. Die Hauptgründe für den Besuch von Konya sind die historischen und kulturellen Denkmäler. Aber Konya ist nicht nur Geschichte und Kultur.

Die Stadt selber erstreckt sich auf einer großen flachen Ebene, aber nur 100 Kilometer weiter verändert sich das Gesicht der Landschaft komplett: Geologisch bemerkenswerte Kraterseen, sogenannte „Sinklöcher“, faszinieren durch ihre ausgefallene Schönheit: Mal ist das Wasser türkis, wie die Farbe der Türkei, mal dunkelblau, der eine ist kreisrund, bei einem anderen schauen die Spitzen kleinerer Inseln heraus. Heute zieht es besonders die jungen Menschen in die historisch bedeutende Universitätsstadt, die schon seit jeher biblisch und historisch wichtig ist.

Konyanüma Panorama Museum

Unser erster Weg führt uns zum Konyanüma Panorama Museum, das sich unweit des Mausoleums von Dschalāl ad-Dīn ar Rūmī befindet, einem persischen Sufi-Mystiker, Gelehrtem und bedeutendem Dichter des Mittelalters, der auch als Mevlana („unser Herr/Meister“) oder kurz als Rūmī bekannt ist. Ein beeindruckendes Museum, das erst 2017 neu eröffnet wurde. Der Name des Museums setzt sich zusammen aus „Konya“ und „Numa“, was soviel wie „Nachdenken“ bedeutet.

Wir fangen mit unserem Besuch im Keller an, wo sich zahlreiche Gemälde und Exponate zum Leben von Rūmī befinden. Der Innenhof des Erdgeschosses ist als Freilichtmuseum gestaltet, in dem Sehenswürdigkeiten der Stadt oder wichtige religiöse Zentren der ganzen Welt in Miniaturgröße aufgebaut sind. Das Highlight aber hat seinen Platz unter dem Dach: Ein 360-Grad-Panorama von Konya, wo sich der Besucher in das Stadtbild von vor 800 Jahren begeben kann. Wachsfiguren lassen die damalige Zeit wieder lebendig werden und wir tauchen begeistert in das Leben der damaligen Einwohner ein, die gerade damit beschäftigt sind, vor ihrer Haustüre zu fegen oder mit Waren zu feilschen.

Irfa Kulturzentrum

Direkt neben dem Konyanüma Panorama Museum befindet sich das Irfa Kulturzentrum. Wir sind eingeladen, Derwischen bei ihren Übungen aus Tanz und Gesang zuzusehen. Aber auch andere anspruchsvolle Künste werden hier gelehrt, wie zum Beispiel die „Ebru-Malereien“. Eine Schülerin zeigt uns, wie es geht: Zunächst rührt sie eine dickflüssige Lösung aus Wasser und Tragantgummi an („Kitre“) und füllt diese in ein flaches, rechteckiges Gefäß. Dann kommen spezielle Farben zum Einsatz, die unter anderem Ochsengalle enthalten, die dafür sorgt, dass sich die Farben auf der Lösung verteilen und ausbreiten, ohne sich mit der Lösung zu vermischen.

Die Künsterlin spritzt oder tropft mit einem speziellen Pinsel aus Rosenholz und Pferdehaar die Farben auf und zieht diese dann mithilfe von Nadeln, Kämmen oder dünnen Holzstäben zu dem gewünschten Motiv ineinander. Schließlich legt sie vorsichtig ein Papier auf. Dadurch überträgt sich das Bild auf das Papier. Ebru ist nicht nur eine dekorative Form der Malerei, sondern erfordert viel Können, Erfahrung und Geduld. Zudem hat diese Kunstform auch einen religiös-meditativen Charakter und durch die Zusammenstellung der Farben und Formen auch symbolische Bedeutung.

Mevlana Rumi – Glaube, Liebe, Toleranz

Wer war Rūmī bzw. Mevlana (1207-1273) eigentlich? 1230 galt Konya als Zentrum islamischer Religiosität und Kultur. Zu dieser Zeit übernahm Rūmī nach seinem Studium der Theologie den Lehrstuhl seines Vaters Baha‘uddin Walad, einem angesehenen Theologen, an der dortigen Universität. Rūmī war ein äußerst beliebter Lehrer. Dann lernte er einen Schüler seines Vaters, den Wanderderwisch Schams-i Tabrisi (türk. Şems-i Tebriz), kennen, der ihn mit dem „Sufismus“ bekannt machte. Er entwickelte eine tiefe Beziehung zu Schams, was die Gesellschaft Konyas schockierte. Wanderderwische genossen keinen guten Ruf. Aber Rūmī war abhängig von Schams. Er vernachlässigte alles – seine Pflichten als Vater, Lehrer und Rechtsprechender. So übten verschiedene Leute Druck auf Schams aus, bis dieser tatsächlich die Stadt verlies. Er kehrte noch einmal kurz zurück und verschwand dann für immer. Es wird gemutmaßt, dass er von einem Sohn Rūmīs ermordet wurde. Rūmī litt fürchterlich unter diesem Verlust und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Er fing an, Gedichte für Schams zu schreiben und tröstete sich während dieser Zeit mit Musik. Er ersann einen Reigentanz begleitet durch Laute, Harfe und Flöte und konnte so seinem Freund ganz nahe sein und zugleich die unmittelbare Begegnung mit Gott erfahren: den Tanz der Derwische.

Derwisch – Bescheidenheit und Disziplin

Wenn wir das Wort „Derwisch“ hören, sehen wir sofort einen tanzenden Mann mit einem hohen Hut in weißem Gewand vor unseren Augen. Aber mehr können wir eigentlich nicht über diese Tradition bzw. den Glauben, der dahintersteckt, sagen. Derwisch kommt aus dem Persischen und bedeutet so viel wie „auf der Türschwelle Stehender“. Oft wird es auch mit „Bettler“ übersetzt und meint einen Mönch, der auf materiellen Besitz keinen Wert legt. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass jeder Derwisch ein mittelloser Bettler sein muss. Vielmehr dient der Begriff als Symbol dafür, dass ein Sufi seine „eigene Armut gegenüber Gottes Reichtum“ erkennt. Wie ein Bettler wandert auch der Derwisch von der (Tür)Schwelle der diesseitigen irdischen, materiellen Welt zu der jenseitigen (Tür)Schwelle der göttlichen Welt.
Die Kleidung der Derwische steckt voller Tiefsinn: Während des wirbelnden Tanzes der Mevlevis werfen die Derwische mit ihren schwarzen Mänteln auch ihr dunkles Erdenleben ab, um in der göttlichen Liebe aufzugehen und wiedergeboren zu werden. Darunter tragen sie ein weißes Gewand (Tenure), das Leichentuch des Egos, welches ihre Reinheit symbolisiert.

Ganz besondere Bedeutung hat der Derwischhut (Sikke), die traditionelle Kopfbedeckung der Sufis: Ursprünglich ähnelte die Sikke eher einem Zuckerhut. Er symbolisiert den Grabstein und soll den Egoismus fernhalten. Wir besuchen eine Werkstatt, die auf Bestellung solche Hüte aus Merinowolle filzt. Die Wollfasern werden zunächst mit Olivenöl getränkt, dann der Filz in Tücher eingeschlagen und rollend geknetet. Mit dem Walgen brechen die Fasern und verbinden sich. Der Filz kann dann mit Hilfe von Holzmodellen in die spezielle Form der Hüte gezogen werden. Ungefähr eine Woche Arbeitszeit steckt in einem Hut. Ein Derwisch bestellt seinen Hut, wenn er Tänzer wird, behält ihn bis an sein Lebensende und nimmt ihn mit ins Grab.

Zwischen Himmel und Erde – Mehr als nur ein Tanz

Jedes Jahr zwischen dem 7. und 17. Dezember findet in der türkischen Stadt Konya das faszinierende Mevlana Whirling Dervishes Festival Şeb-i Arus („Hochzeitsnacht“) statt. Rūmī selbst bezeichnete den Tod als „Hochzeit“, intensivste geistige Vereinigung mit Gott. In seiner Gedichtesammlung schreibt er: „Wenn du meine Beerdigung siehst, sage nicht: Was für eine Trennung. Es ist Zeit für mich, den Geliebten zu treffen.“ Der Besuch des Festivals ist der Höhepunkt unserer Reise und bietet uns die Möglichkeit, interessante Aspekte der türkischen Geschichte, Weltanschauung und Kultur zu erkunden.

Zu Beginn des „Sema“, des Trance-Tanzes, legt der Derwisch den schwarzen Umhang ab. Seine gekreuzten Arme versinnbildlichen die Zahl „Eins“ als Zeugnis für die Existenz des Einen Gottes („Allah“ = „Der eine Gott“). Der Tanz selbst, dessen Ritual eindeutig formuliert ist, ist dann eine kontinuierliche und kontrollierte Drehung, die als aktive Meditation betrachtet wird. Verstand, Herz und Körper werden beim Sema zusammengeführt und stellen den spirituellen Weg des Menschen dar. Im Drehen wächst der Mensch durch Liebe, übersteigt sein Ego, trifft auf die Wahrheit und erlangt Vollkommenheit. Während sich der Derwisch von links nach rechts dreht, umarmt er symbolisch in Liebe die gesamte Menschheit. Er streckt seinen rechten Arm mit geöffneter Hand gen Himmel, um Gottes Wohltätigkeit zu empfangen. Die linke Hand, auf die der Tänzer seinen Blick richtet, zeigt in Richtung Erde und gibt damit Gottes Gaben weiter. Am Ende kehrt der Derwisch von seiner spirituellen Wanderung zurück, befähigt zu lieben und allen Geschöpfen zu dienen, ohne Unterscheidung von Glaube, Rasse oder Klasse.

Das Ritual der Mevlevi-Derwische wurde unter den Schutz der UNESCO gestellt und zum „geistigen und kulturellen Meisterwerk der Weltkultur“ erklärt.

Wahrzeichen Konyas – Das Mevlana Museum

Ursprünglich befand sich an der Stelle des heutigen Museums ein Rosengarten, den der Sultan Kai Kobald I. Rūmīs Vater geschenkt hatte. Rūmīs Nachfolger Çelebi errichtete nach Rūmīs Tod das Mausoleum über dem Grab seines Meisters. Dieser Bau bestand aus einer Grabkammer mit einer zylindrischen Kuppel auf vier Pfeilern und einer Audienzhalle, einem sogenannten „Iwan“. In der Folgezeit wurde das Bauwerk immer wieder ergänzt, zum Beispiel wurde die außen 25 Meter hohe „Grüne Kuppel“ um 1397 durch die heute noch vorhandene zylindrische, mit blaugrün glasierten Kacheln geschmückte Trommel, ergänzt. Das Mausoleum diente dem Mevlevi-Orden als Versammlungsort.

Nach 1925 wurde es von der neuen türkischen Regierung geschlossen und 1927 als „Konya-Museum für Alte Kunst“ eröffnet und 1954 in Mevlana-Museum umbenannt.

Wir staunen, als wir den marmorgepflasterten Innenhof betreten. Als wir das Grabtor durchschreiten, gelangen wir zunächst in die Rezitationskammer des Grabschreins, die mit osmanischen Kalligrafien ausgeschmückt ist. Es öffnet sich eine mit Silber verkleidete Tür in das eigentliche Mausoleum. Auf erhöhten Plattformen sehen wir 56 Sarkophage stehen. Das hölzerne, mit meisterlichen Holzschnitzereien im seldschukischen Stil dekorierte Kenotaph (Scheingrab) Rūmīs aus dem 13. Jahrhundert steht unter der Grünen Kuppel, die mit Sternen bemalt und von einem silbernen Käfig umschlossen ist. Die eigentlichen Grabstätten liegen unterhalb des Raumes. Die Sarkophage sind mit den turbanumwickelten hohen Filzhüten (Sikke) ihrer Besitzer geschmückt.

Im Konyanüma Panorama Museum, in dem wir zuvor waren, ist eine Miniatur des gesamten Komplexes aufgestellt.

Alladin-Moschee

Aber es gibt noch zahlreiche andere Moscheen in Konya, die geschichtlich viel zu bieten haben.

Wir besuchen die Alladin-Moschee, ein oktogonales Grabgebäude des Sultans Alladin I. (reg. 1219-1237). Sie ist die älteste Moschee Konyas.

Grabmal des Şems-i Tebriz

Ein besonderer Ort ist das Grabmal des Şems-i Tebriz, des Freundes von Mevlana.

Grabmal des Koches des Mevlevi-Ordens, Ateşbaz-ı Veli

Besonders beeindruckend ist das Grabmal des Koches des Mevlevi-Ordens, Ateşbaz-ı Veli: Der Koch hatte eine außergewöhnliche Stellung.

Wir müssen uns bücken, um durch die vergitterte Tür in das Grabmal zu blicken und sind beeindruckt: Die Grabstätte ist in grünem Licht erleuchtet, der Lieblingsfarbe des Propheten Mohammed.

Fundgrube Çatalhöyük

Die Gegend um Konya birgt aber noch viel ältere Geheimnisse der Vergangenheit. Wir fahren nach Çatalhöyük, knapp 40 Kilometer südöstlich der Stadt Konya auf der Hochebene Anatoliens gelegen. Hier entdeckte der Archäologe James Mellart 1958 eine der ältesten Städte der Menschheit.

Auf den ersten Blick erscheint uns die so berühmte Ausgrabungsstätte erst einmal ziemlich unspektakulär, wir sehen einen begrasten Hügel, ein paar Mauern und Steine im Nirgendwo. Aber vor rund 10.000 Jahren haben einige Menschen begonnen, ihre Lebensweise als umherziehende Jäger und Sammler allmählich zu verändern. Im Zuge der neolithischen Revolution gingen die Menschen zunächst zur Viehzucht und dann zum Ackerbau über. Vermutlich ist diese Veränderung das Resultat davon, dass die Jäger den Bestand an wilden Tieren dermaßen dezimiert hatten, dass sie eine alternative Nahrungsquelle brauchten. Dies brachte unweigerlich das Erfordernis mit, nicht mehr durch die Gegend zu streifen, sondern eine Landwirtschaft verlangte, „vor Ort“ zu sein. Denn das gehaltene Vieh musste versorgt werden, die Äcker bestellt und die Ernte eingebracht werden. Die Lebensgewohnheiten mussten sich der neuen Form der Kultivierung anpassen. So entstand die wohl erste „Großstadt“ der Weltgeschichte. Sie lernten, ihre Umgebung und deren Ressourcen immer effektiver zu nutzen, sie fällten Bäume für ihre Feuerstellen und fertigten Waffen und Werkzeuge. In ihrer Blütezeit drängten sich auf einer Fläche von nur 13,5 Hektar zwischen 3.500 und 8.000 Einwohner zusammen mit ihren Tieren.

Hunderte rechteckige Häuser aus Lehmziegel oder Stampflehm wurden aneinander gebaut, bis zu 10 Menschen lebten in ihnen. Zwischen diesen Bauten gab es keine Straßen oder Plätze, vermutlich, um Platz zu sparen. Es gab keine Türen und Fenster und die Bewohner gelangten über einen Zugang vom Dach über Leitern in ihre Häuser. Das Leben in der Stadt spielte sich somit vornehmlich auf den Dächern ab. Die Öffnung im Dach diente gleichzeitig als Rauchabzug für die Feuerstelle, die direkt unter der Leiter positioniert war. In allen Häusern waren Schlaf- und Essbereich klar voneinander getrennt, das Bett war auf einer leicht erhöhten Plattform an der Nordwand untergebracht. Für uns unvorstellbar, ja sogar gruselig: Nachdem die Toten der Familie zunächst den Geiern und Raubtieren überlassen wurden, bestattete man sie in den Häusern in einem Hohlraum unter den Betten. In einigen Häusern wurden mehrere bunt bemalte Skelette gefunden – in manchen Häusern nur eines, in anderen bis zu 60 Stück. Diese Wand war oft, nicht nur wie alle Wände im Inneren mit feinem, weißem Ton verputzt, sondern sie war mit besonders vielen Wandmalereien verziert, die Szenen von der Jagd und aus dem Leben der damaligen Menschen darstellten. Frauen wurden mit ihrem Schmuck, Männer mit ihren Waffen beigesetzt. Ihre Waffen stellten die neolithischen Einwohner der Stadt übrigens aus Obsidian her, den sie aus der Nähe des (heute inaktiven) Vulkans Hasan Dağı beschafften. Eine mehr als 8.600 Jahre alte Wandmalerei zeigt den ausbrechenden Vulkan im Hintergrund und wird mit dem Ausbruch um ca. 7.000 v. Chr. in Verbindung gebracht, was zeitlich gut zur Besiedelung Çatalhöyüks passt.

Die Bewohner der Stadt mussten sich aber auch mit den typischen Problemen der Zivilisation herumschlagen. So kannten sie auch damals schon das Problem der Abfallentsorgung oder der Entsorgung von Abwasser von Mensch und Tier. Vielleicht neben der Übernutzung der Weide- und Ackerflächen ein Indiz, warum die Bevölkerungszahl stark zurückging und um 5.900 v. Chr. die Siedlung aufgegeben wurde.

Wir können solch ein nachgebautes Modell-Haus besichtigen und uns ein Bild von der Lebensweise machen. Um einzutreten, hat man das Häusermodell etwas verändert, der Zugang über das Dach ist nur stilisiert, wir Besucher dürfen durch eine kleine Öffnung in der Wand (fast normal) eintreten. Wir müssen uns nur richtig klein machen und ducken, um dann in einen dunklen Raum zu gelangen. Wir bekommen einen sehr schönen Eindruck, wie beengt die Bewohner damals zusammengelebt haben müssen, staunen aber auch, dass irgendwie doch alles zur Stelle war und die Menschen einen gewissen Komfort hatten im Vergleich zu ihrem Nomadendasein in früherer Zeit. Uns wird erklärt, das der unscheinbare Hügel, der uns zuvor aufgefallen ist, künstlich entstanden ist, indem Häuser, wenn sie nicht mehr bewohnbar waren, immer wieder an gleicher Stelle übereinander gebaut wurden. Bis zu 18 Schichten Häuser verbergen sich unter dem Gras.
Bis heute sind erst ungefähr 6 % des Areals ausgegraben und seit 2012 ist Çatalhöyük Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Abstecher nach Sille

Sille ist ein kleines, hübsches Dorf in der Nähe von Konya am Fuße des Taurus-Gebirges gelegen und war einst eine griechische Siedlung entlang eines Tals, das von schroffen Felsen umgeben war. Bis 1922 wurde hier noch die kappadokische griechische Sprache gesprochen. Es wurde von Griechen bewohnt, die dort seit über 800 Jahren in friedlichem Zusammenleben mit den Türken von Konya lebten. Und nun schließt sich unser Kreis: Denn der Grund, weswegen dieses Zusammenleben so gut klappte, war: Rūmī. Rūmī wurde Zeuge eines Wunders, das im nahe gelegenen orthodoxen christlichen Kloster Saint Chariton geschah. Er errichtete dort eine kleine Moschee und traf mit den Türken die Vereinbarung, die Griechen des Dorfes nie zu verletzen. Wegen der Feindschaften zwischen Griechenland und der Türkei (1923) vereinbarten die beiden Länder, die Bevölkerung aufgrund ihrer Religion auszutauschen. Nach 1924 hatte die gesamte griechische Bevölkerung das Dorf verlassen.

Hauptattraktion ist die mächtige byzantinische Kirche St. Helena (Aya Elena Kilisesi), deren heutiges Kirchengebäude von 1833 stammt und die nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten 2013 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Angeblich soll es hier schon 327 n. Chr. eine Kirche gegeben haben, die Helena, die Mutter Konstantins des Großen, auf ihrer Pilgerreise von Istanbul nach Jerusalem, errichtet haben soll. Die wunderschönen Ikonen sind Spenden ehemaliger Sille-Griechen.

Wir hätten gerne noch die entzückenden Häuser mit Geranien, die ihre Fensterscheiben zieren, besucht und uns in ein kleines Restaurant am idyllischen Bach gesetzt. Gönnen Sie sich einen kleinen regionalen Snack: Bamya çorbası (Okra-Suppe) ist nur eine der lokalen Köstlichkeiten.

Schmetterlings-Garten

Eine der modernen Attraktionen Konyas ist der Schmetterlings-Garten, der in einem futuristischen Gebäude untergebracht ist. Seine Form ähnelt der eines Schmetterlings und wird von einem Glasdach geschützt.
Hier kann man schon ins Schwitzen kommen, bei einer konstanten Innentemperatur von 26 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 80%. Aber so fühlen sich Bewohner am wohlsten.

Der Schmetterlings-Garten bietet Lebensraum für mehr als 20.000 tropische Pflanzen von mehr als 150 Arten und Tausende tropischer Schmetterlinge aus Regenwaldgebieten von bis zu 45 Arten. Der gesamte Lebenszyklus der Schmetterlinge von der Raupenlarve über die Puppe bis zum Erwachsenenstadium kann beobachtet werden. Phantastisch!
Die „Blauen Morphofalter“ erreichen eine Flügelspannweite von 95 bis 120 Millimetern. Sie haben leuchtend blaue Flügeloberseiten.

Sufismus

Die Lehre des Islam ist von zwei Denkschulen geprägt: Die erste beruht auf dem Schariat, Vorgaben und Mustern, die von orthodoxen Denkern des Islam übernommen wurden und befehlend/verpflichtend sind.

Die zweite beruht auf dem Tariqat, einer spirituellen Methodologie, die der Sufismus, der als Vorläufer einer liberalen Auslegung des Islam gilt, für sich bestimmt. Auch für „Sufis“ sind die Offenbarungen des Korans von großer Bedeutung. Sie streben aber eine emotional gelebte Spiritualität an, die gereinigt ist von Aberglauben, Dogmatismus, Fanatismus und Egoismus. Sie konzentrieren sich nicht auf den Staat, sondern auf die Reinigung der Seele. Die Vereinigung mit Gott ist ihr höchstes Ziel. Rūmī, der bedeutendste persische Dichter des Mittelalters und Gründer des „Ordens der tanzenden Derwische“, ist der populärste Vertreter des Sufismus. Er diente als „Brücke“ zwischen der westlichen Ethik und dem islamischen Moralverständnis und wurde der Schöpfer einer Philosophie, die die Einheit von Sein und Toleranz als grundlegende Elemente beinhaltete. Nach seinem Tod gründeten seine Anhänger den „Orden der wirbelnden Derwische“. Zentraler Grundsatz dabei ist, dass Tanz und Musik zu einem höheren Bewusstsein führen.

Weil er andere Religionen toleriert und den Absolutheitsanspruch der Orthodoxie kritisiert, wird der Sufismus in einigen Ländern der islamischen Welt unterdrückt und verfolgt. Jahrelang war der Sufismus in der Türkei verboten – 1925 verfügte Kemal Atatürk, der Gründer des türkischen Staates, die Schließung der Derwisch-Konvente und damit auch über das Ende des Mevlevi-Ordens. Doch heute bricht sich der Sufismus unter jungen Türken Bahn als erwünschte Alternative zu den Dogmen eines politisierten Islam. Der Name „Sufismus“ leitet sich übrigens von der Sikke ab, die aus Filz gemacht wird: „Suf“ bedeutet „Wolle“, „Sufi“ ist jemand, der Wolle trägt.

Kulinarischer Tipp: Sherbet (regionaler Aperitif)
Wasser, Essig, Honig
Dazu wird Brot und Salz gereicht

Adressen:

Novotel Konya, ALLSAFE geprüftes 5-Sterne-Hotel
Seker Mah Cevreyolu Cad No 38, 42080 Selçuklu/Konya, Türkei, Telefon: +903322234200,
Hotel The Marmera Pera, Asmali Mescit, Mes Meşrutiyet Cd., 34430 Beyoğlu/İstanbul, Türkei, Telefon: +902123340300, https://www.themarmarahotels.com/the-marmara-pera-hotel.aspx

Konyanüma Panorama-Museum, Kislaonu Sokak, Aziziye Mahallesi, 42030 Karatay/Konya, Türkei, Tel. +903322376678, E-Mail: konyanumamuzesi@gmail.com

Mevlana-Museum, Aziziye Mah, Mevlana Cd. No:1, 42030 Karatay/Konya, Türkei, Telefon: +90 3323511215, http://www.mevlanamuzesi.com/

Şems-i Tebriz, Sems Parki Sems, Mahallesi Karatay, 42050 Konya

Alladin-Moschee, Hamidiye Mh., 42040 Selçuklu/Konya, Türkei

Ateşbaz Veli Tomb, Orgeneral Tural, Ateşbaz Sk. No:77, 42090 Meram/Konya, Türkei, http://m.meram.bel.tr/icerik/62/3558/atesbazi-veli-.aspx

Çatalhöyük, UNESCO-Weltkulturerbe, +16507251999, Küçükköy, Konya, Türkei, http://www.catalhoyuk.com/tr/sit

Tropischer Schmetterlingsgarten Konya, Parsana Mh. İsmail Kaya Cd. No:244, 42250 Selçuklu/Konya, Telefon: +903322111120, E-Mail: belediye@selcuklu.bel.tr, www.konyakelebeklervadisi.com

Text:

Aniko Berkau

Fotos:

Matthias Dikert/reisegala.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich willige ein, dass meine Angaben aus diesem Kontaktformular gemäß Ihrer Datenschutzerklärung erfasst und verarbeitet werden. Bitte beachten: Die erteilte Einwilligung kann jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@sor.de (Datenschutzbeauftragter) widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.